Die Seele des Bösen: Finstere Erinnerung

Die Seele des Bösen: Finstere Erinnerung
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739318431
In der kalifornischen Kleinstadt Waterford hat die Polizei es selten mit schlimmeren Verbrechen als Fahrraddiebstählen zu tun, bis eines Abends die Leichen einer vierköpfigen Familie in ihrem Haus gefunden werden. Ein Unbekannter hat tagelang mit seinen Opfern zusammen gelebt, bevor er sie brutal ermordet hat. Polizistin Sadie erhält zum ersten Mal die Gelegenheit, ihre Ausbildung an der FBI Academy zu nutzen. Mit ihren Kollegen Phil und Matt versucht sie, ein Profil des Familienmörders zu erstellen. Ihn zu finden, ist ihr ein ganz persönliches Anliegen: Vor fünfzehn Jahren wurde auch Sadies Familie getötet — von ihrem eigenen Vater ...
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Klamath Falls, Oregon: fünfzehn Jahre zuvor

Inzwischen klang die Stimme ihrer Mutter fast schrill. Tränen brannten in Kims Augen, während sie an die Decke starrte. Er würde Mum wieder schlagen. Das tat er immer. Viel zu oft hatte sie ein blaues Auge oder sogar Flecken am Hals. Würgemale.

Das Licht der Laterne vorn an der Straße leuchtete ins Zimmer. Der Baum vorm Fenster warf Schatten, die sich im Wind bewegten. Manchmal fand Kim das unheimlich, aber im Moment bereitete der Streit ihrer Eltern ihr ernstere Sorgen.

„Bist du wach?“ fragte Kristy leise von der anderen Seite des Zimmers.

„Ja“, erwiderte Kim. „Wie soll man denn da schlafen?“

„Allerdings.“ Kristy schlug die Decke zurück und setzte sich aufrecht.

„Was machst du?“ fragte Kim.

Ihre Schwester antwortete nicht gleich, weil ein Tobsuchtsanfall ihres Vaters sie beide zusammenzucken ließ.

„Ich will nicht, daß er sie wieder schlägt“, sagte Kristy.

„Willst du da jetzt runtergehen?“ fragte Kim erschrocken. „Was, wenn er dann hochkommt?“

„Er kommt nicht hoch.“ Kristy sagte das, als wäre das eine unumstößliche Tatsache, aber Kim hatte da ihre Zweifel. Dennoch stand Kristy unbeeindruckt auf und schlich auf leisen Sohlen zur Tür. Ein Lichtspalt fiel ins Zimmer, als sie die Tür einen Spalt breit öffnete. Sofort wurde aus dem undeutlichen Gebrüll von unten ein klar verständlicher Streit.

„Du kannst froh sein, daß es nicht dich getroffen hat! Aber mach nur so weiter …“ donnerte ihr Vater.

„Du bist ja krank!“ schrie ihre Mutter. „Laß mich los!“

Resigniert schloß Kim die Augen. Es war wieder soweit, daß er Mum weh tun würde. Das darauffolgende dumpfe Geräusch und der erstickte Aufschrei bestätigten ihre Befürchtung.

„Das muß aufhören“, murmelte Kristy. Als sie einen Fuß aus dem Zimmer setzte, fuhr Kim hoch.

„Nicht!“ zischte sie. Weil sie die Ältere war, fühlte Kristy sich immer verantwortlich und wollte schlichten. Von Toby konnten sie das auch kaum erwarten, schließlich war er erst sieben. Aber Kristy war schon vierzehn und träumte bereits davon, auszuziehen und allem zu entfliehen. Kim wollte nichts lieber, als ihre Schwester zu begleiten. Doch das würde noch ein Traum bleiben, denn sie waren beide zu jung.

Vermeintlich unerschrocken verschwand Kristy auf dem Flur. Unruhig schlich Kim ihr hinterher. Als sie die Zimmertür wieder öffnete, sah sie ihre Schwester oberhalb der Treppe stehen. Nach einem weiteren Schritt konnte sie ihre Eltern unten im Flur sehen. Dad hatte Mum rückwärts gegen die Tür gedrückt. Ihre Haare standen wirr ab, ihre Augen waren tränennaß. Von ihrem Vater sah Kim nur den Rücken.

Die Schußwaffe hinter seinem Gürtel bemerkte sie jedoch erst, als er danach griff, die Waffe entsicherte und sie ihrer Mum vors Gesicht hielt. Er zwang sie dazu, den Mund zu öffnen und schob den Lauf der Waffe hinein. Für einen Moment vergaß Kim zu atmen. Auch Kristy rührte sich nicht.

„Du gehst ganz bestimmt nicht zur Polizei“, sagte ihr Vater bedrohlich leise. Nackte Angst stand in den Augen ihrer Mutter geschrieben. Mit dem Mut der Verzweiflung rannte Kristy die Treppe hinunter.

Dann knallte es.

Kim machte einen Satz zurück, bis sie den Türrahmen im Rücken spürte. Kristy schrie markerschütternd laut und ging fast in die Knie. Über das Treppengeländer hinweg sah Kim weit verspritztes Blut auf der weiß lackierten Haustür, spürte ihr Herz für einen winzigen Moment nicht mehr schlagen.

Kristy wimmerte hysterisch, war auf den untersten Treppenstufen in sich zusammengesackt. Ängstlich machte Kim einen Schritt nach vorn, bis sie ihre Schwester sehen konnte. Sie kauerte vor den Füßen ihres Vaters, der neben der Leiche ihrer Mutter stand und die Waffe auf seine eigene Tochter richtete.

Kim wollte schreien, aber sie konnte nicht. Sie krallte die Finger ins Geländer und schnappte nach Luft.

„Ich hätte euch längst alle umbringen sollen“, sagte ihr Vater. Zitternd hob Kristy den Kopf und sah ihm direkt in die Augen.

„Du bist ein feiges Schwein“, sagte sie, von Schluchzern unterbrochen.

„Feige nennst du mich?“ Mit der rechten Hand holte er aus und schlug Kristy quer übers Gesicht. Er traf sie so heftig, daß sie rücklings gegen die Wand flog und benommen die Treppe hinunterrutschte. Sofort packte ihr Vater sie, warf sie zu Boden und trat ihr in den Magen. Kim zuckte zusammen.

„Du bist genau so ein Miststück wie deine Mutter“, zischte er. „Wird Zeit, daß du stirbst. Aber erst gleich.“

Erneut schlug er Kristy, bevor er sich über sie kniete. Sie strampelte wie wild und schrie, denn inzwischen war sie wieder bei Sinnen.

„Laß mich in Ruhe!“ kreischte sie, aber sie hatte keine Chance. Wie gelähmt beobachtete Kim, was geschah. Schon wieder. Sie hatte es schon einmal gesehen, als ihr Vater geglaubt hatte, allein mit Kristy zu Hause zu sein. Kim war fast in ihr Zimmer geplatzt und hatte etwas gesehen, das sich wie Säure in ihre Erinnerung geätzt hatte. Etwas, von dem Kristy sie beschworen hatte, es niemandem je zu sagen.

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Seitenaufrufe: 161 mal Aufgerufen Am 18. November 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Familienmord, FBI, Profiler, Profiling, Psychothriller, Serienmord, Spannung, Thriller, USA
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