Die sechste Farbe des Glücks

Die sechste Farbe des Glücks
Preis: 3,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Webseite: www.johannawasser.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Isabell hat sich in die Einsamkeit eines kleinen Dorfes zurückgezogen, um ihr berühmtes Fantasy-Epos „Rainbowland“ zu vollenden. Doch statt zu schreiben, malt sie und suhlt sich in der Verzweiflung ihrer Schreibblockade – bis es ihrem Verleger zu bunt wird und er sie ins Leben hinaus schubst, damit die Trilogie nach 16 Jahren endlich fertig wird. So findet sich die scheue Bestsellerautorin kurz darauf unter Menschen wieder. Allen voran ist da ihr Nachbar Alexander, dessen Augen sie an den Himmel erinnern und dessen Nähe sie sucht und fürchtet. Und während Isabell sich noch fragt, ob sie sich wirklich auf die Liebe einlassen will, holt sie außerdem die Vergangenheit mit voller Wucht ein. Wer ist die junge Buchbloggerin, die von Isabells Büchern so merkwürdig fasziniert ist? Und kann Alexander das Herz der zurückhaltenden Autorin am Ende doch gewinnen?
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Leseprobe

Bis vier Wochen vor Weihnachten ging es mir richtig gut. Ich blühte beinahe auf, und hätte ich nicht gewusst, dass mein Krebs auf keinen Fall, unter keinen Umständen, heilbar war, ich hätte geglaubt, dass alles wieder gut werden würde. Tatsächlich hatte ich sogar angefangen zuzunehmen und begann langsam, mich mit dem Gehen zu beschäftigen.

Ich ging an die Tür und berührte den Schnee. Ein Gefühl, von dem ich zuvor nicht geahnt hatte, wie wunder-schön es war. Überhaupt gab es auf einmal so viele Dinge, die ich zuvor nicht zu sehen imstande gewesen war und die mir jetzt völlig den Atem raubten. Es war banal, es war klischeehaft – und es war völlig klar. Zumindest für jemanden, der schon einmal einen Menschen an Krebs verloren hatte.

Ich war nicht die Erste, die dieses Wunder erleben durfte, um bald darauf zusammenzusinken. Aber ich beschloss, eine von denen zu werden, die es genießen würden, im Wissen, dass es jeden Tag das letzte Wunder mit mir für die anderen war.  

Ich bat Sara darum, die Geschichte später zu Ende zu schreiben und stattdessen mit mir rauszufahren. Ich wollte unbedingt etwas machen, das für sie wichtig war. Dafür besorgte ich mir eigens eine Tasche mit Tischtennisschlägern und Bällen. Es war bestimmt über zehn Jahre her, dass ich mal Tischtennis gespielt hatte, aber sie freute sich so sehr, dass sie sogar ein bisschen schummelte, um mich auch mal ein paar Bälle gewinnen zu lassen.

Mit Alex fuhr ich noch einmal zum Edersee. Wir mieteten uns einen Roller und fuhren ein bisschen rum. Motorradfahren war nicht mehr drin, weil mir keine Lederkluft mehr passte. Na ja, und weil ich mich vermutlich hätte nicht festhalten können. Aber mit einem Roller ging es ganz gut. Auf vereisten Straßen, ein bisschen frierend. Aber wir waren die einzigen Touristen weit und breit. Und abends aßen wir schick, ohne dass ich mich übergeben musste. Es waren wirkliche Traumtage, auch wenn ich ein klitzekleines bisschen ein schlechtes Gewissen hatte. Ich wusste, dass es nicht nur kein Happy End für mich gab. Ich konnte spüren, dass das Wort End an jeder einzelnen Ecke auf mich wartete. Es ließ mich nur noch ein bisschen spielen. Und ich begann, unbemerkt von den anderen an einer kleinen Paranoia zu leiden.

Noch eine Woche? Noch zwei? Komm schon! Vier Wochen? Nach und nach hatte ich Angst einzuschlafen, weil ich nicht als ein anderer Mensch aufwachen wollte. Krank, schwach, zum Tode verurteilt.

Na ja, zu Tode verurteilt war ich ja schon. Ich beschloss, meinen Wunsch abzuändern. Konkret zu werden, war doch bestimmt ein Anfang.  

Bis Weihnachten also beschloss ich durchzuhalten. Mindestens. Saras Eltern hatten bei Alex und mir angerufen und uns gefragt, ob wir an Heiligabend zu ihnen kommen wollten.

Mein neuer Freund Paranoia sagte mir, dass sie Angst hatten, dass Sara sonst nach Berghöhn fahren würde, sie also zum ersten Mal, seit sie Eltern waren, allein feiern müssten. Aber ich traute mich nicht, Alex von dem Gedanken zu erzählen. Langsam glaubte ich ohnehin, dass er herausbekommen hatte, dass mein Zustand nicht umsonst etwas zu gut war. Ich sagte also zu und widmete mich den Dingen, die man als ein gesunder Mensch gerne machte.

Ich ging, wenn auch mit dem Rollstuhl vor mir, zu Merrit, der weißen Hexe, und versuchte, mich von ihr ablenken zu lassen.

Immerhin hatte die Sache mit mir und Alex damit an-gefangen, dass sie mich mit zum Fluss genommen hatte. Ich fragte mich außerdem, ob sie alle hasste, die Alex unglücklich machten. Der Gedanke daran, dass dies auch mein Auftrag auf Erden war, ließ mich seit ein paar Wochen gar nicht mehr los. Der Paranoia-Freund, nahm ich an.

„Du spinnst!“, sagte Merrit und ich begriff, dass sie mich seit meinem letzten Besuch duzte. Vor lauter Aufregung war es mir beim letzten Mal gar nicht aufgefallen. „Wenn Alex etwas unglücklich macht, dann bist das ganz sicher nicht du.“ Sie sah mich aufmerksam an. „Du wirkst so aufgedreht. Nimmst du irgendwelche Aufputschmittel?“, fragte sie und zwinkerte mir zu. „Ein paar Zauberkräuter bei mir gemopst?“ Ich wollte auch scherzen. So etwas wie Du bist doch eine Hexe, mach, dass dieses verdammte Ding verschwindet sagen. Aber ich wusste, dass ich nicht nur ein verdammtes Ding in mir hatte, deswegen hatten die Ärzte auch nicht operiert. Mein ganzer Körper war voller Metastasen. Ich sank im Stuhl neben ihr zusammen und musterte sie.

„Ich bin schon die Vierte, die er verliert“, sagte ich. Merrit nickte.

„Hast du dir das ausgesucht?“ Ich schüttelte den Kopf. Natürlich nicht. Die Antwort war überflüssig. „Bella, du bist sein ganzes Glück, jetzt und später. Er hat letztens zu mir gesagt, dass er irgendwann als ein glücklicher Mann sterben wird“, sagte sie und fixierte mich. Uns beiden rannen Tränen übers Gesicht. Sie griff nach meinen Händen und so blieben wir lange sitzen.

Ich glaube, Merrit war die Einzige, die verstanden hatte, dass die dunkle Nacht die ganze Zeit über mir geschwebt hatte.

Und in der folgenden Nacht senkte sich diese N…

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Seitenaufrufe: 92 mal Aufgerufen Am 22. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Blogger, Drama, Liebe, Schriftstellerin, Tod
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