Die Rache des Phönix

Die Rache des Phönix
Preis: 9,90 €
Autor:
Genres: Krimi & Thriller, Science-Fiction
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783944972077
Die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts spaltet die Gesellschaften der Industrienationen. Es herrschen gewaltige soziale Unterschiede. Immer mehr Jugendliche verwahrlosen, leben auf der Straße. Seit ihre Mutter einfach verschwand, ist die sechzehnjährige Patricia, genannt Trish, obdachlos. Sie schnorrt, manchmal stiehlt sie, hat keine Zukunftsperspektive. Einzige Bezugsperson ist ihr Bruder Mike, der sich als Fahrradkurier durchschlägt. Eines Abends beobachtet Trish, dass Männer in dunklen Anzügen mit Tattoos auf dem Handrücken Jugendliche überreden, sie zu begleiten. Jene, die es tun, werden nie wieder gesehen. Als einer dieser Männer auch zu Trish kommt, ihr eine bessere Zukunft und ein gutes Leben verspricht, entscheidet auch sie sich, mitzugehen. Zu spät wird ihr klar, dass ein gutes Leben mit einem gut dotierten Job einen Preis haben kann, den man nicht zu zahlen bereit sein sollte.
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Der Himmel war orange. Kein Orange, wie man es von malerischen Sonnenaufgängen kennt oder von einer tiefstehenden Herbstsonne. Nein, ein künstliches, verwaschenes Orange, kalt, von Tausenden Neonleuchten, Autoscheinwerfern und Straßenlaternen. Die schmutzige Aura einer Großstadt, die von den tief hängenden Nachtwolken reflektiert wurde.

Trish lehnte an dem rostigen Geländer vor einem geschlossenen Geschäft und betrachtete das Fleckchen Himmel, was man zwischen den Hochhäusern erkennen konnte. Vielleicht war es aber auch nur aufsteigender Smog.

In der Einkaufsstraße vor ihr herrschte reger Betrieb, obgleich die meisten Geschäfte mittlerweile geschlossen und mit einem Eisengitter verriegelt worden waren. Die Menschen hetzten dennoch vorbei, als wollten sie zwanghaft beschäftigt wirken, als wäre ihnen Müßiggang zuwider. Oder sie suchten nur zu verhindern, alleine in einer kleinen und engen Wohnung zu sitzen, den Computer als Alleinunterhalter und einem Wellensittich als einzigem Gesprächspartner. Dieses Szenario schien ihr wahrscheinlicher.

Die heutige Durchschnittsfamilie bestand aus einem Singlehaushalt mit Haustier, vorzugsweise Hund.

Trish biss auf ihren Daumennagel und betrachtete die Menschen, die an ihr vorbeieilten. Viele starrten dabei auf ihr Telefon, ohne ihr Umfeld wahrzunehmen. Die meisten würden wohl noch nicht einmal bemerken, finge es zu regnen an.

Sie spielte mit dem Gedanken, sich in der Mitte der Einkaufsstraße auf den Boden zu legen und zu beobachten, ob irgendjemand reagierte oder ob man einfach weiter stumm an ihr vorbeiginge.

Trish stand häufig hier und beobachtete die Menschen, die verschiedenen Typen, ihre Kleidung und ihr Verhalten, nur um nicht daran erinnert zu werden, wie alleine sie war. Allein wie fast jeder in der Millionenmetropole.

Diese Nacht glich vielen vorherigen. Trish stellte sich schon darauf ein, wie gewöhnlich bis Tagesanbruch hier zu bleiben, zu beobachten, wie der Fluss aus Menschen langsam versiegte, wie die Straße um drei Uhr morgens fast ausgestorben sein würde, bis dann eine Stunde später wieder die ersten Arbeiter zur Frühschicht erschienen.

Die Nacht wirkte wie eine fremde Welt, wie ein paralleles Universum mit eigenen Einwohnern, das denselben Raum einnahm wie der Tag, aber dennoch etwas ganz anderes war.

Ihr fiel auf, dass sie ein älterer Mann im dunklen, teuren Anzug auf der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtete. Trish senkte die Hand, an deren Daumennagel sie gekaut hatte, und starrte trotzig zurück. Ihr war klar, dass der verschlissene Parka und die abgetragene Jeans sie obdachlos erscheinen ließen. Ihr war auch völlig bewusst, dass so ein reicher Pinkel nur zwei Dinge von ihr wollen könnte: Drogen oder Sex!

Bei dem gepflegten Äußeren kam aber wahrscheinlich nur das Letztere infrage.

Der Mann setzte sich in Bewegung, um die Straße zu überqueren und in ihre Richtung zu gehen. Trish hielt seinem Blick weiter mutig stand. Er war viel älter als sie, bestimmt schon fünfzig, mit dunklen Haaren und grauem Bart, aber nicht unattraktiv. Sie konnte sich Sex mit ihm sogar ganz gut vorstellen, natürlich nur gegen Geld. Und so wie der aussah, ziemlich viel Geld. Aber ohne solchen Sadomasomüll. Und nur mit Kondom! In diesem Punkt war sie konsequent. Aber das war wohl auch der Einzige in ihrem Leben.

Als der Fremde nur noch ein paar Schritte entfernt war, hielt plötzlich ihr Bruder mit seinem Rad vor ihr.

„Hi Trish!“, grüßte er. Der feine Pinkel drehte schnell ab und ging wie zufällig in eine andere Richtung, bis er in der Menge verschwand.

„Was willst du, Mike?“, sagte Trish genervt. Er hatte mit seinem blöden Auftauchen vielleicht den Deal ihres Lebens verpatzt!

„Ich bin durch für heute, magst du mit mir was essen gehen?“

„Du kommst denkbar ungünstig“, seufzte sie.

„Ich komme mal wieder auf die Sekunde genau richtig, ganz wie es mein Ruf ist“, erwiderte er ungewöhnlich ernst. „Wenn dir dein Leben lieb ist, bleib weg von diesen Typen!“

Trish runzelte die Augenbrauen. „Was sagst du da?”

„Na der Mann, der gerade auf dich zu gekommen ist. Du kannst froh sein, dass ich es noch rechtzeitig gesehen habe.“

„Wieso? Was war das für ein Kerl?“

„Komm mit ins Bootshaus, ich erzähle dir, was ich weiß.“

„Na gut, ich esse aber nichts.“

„Wir können uns ja was teilen, ich schaffe eh kaum eine ganze Portion“, sagte Mike und Trish nickte dankbar.

Sie würde sich nicht von ihm durchfüttern lassen, doch ihr Bruder ahnte wohl, dass sie ziemlich ausgehungert war. Trish wusste, dass auch er sich nur mehr schlecht als recht mit Kurierfahrten über Wasser hielt und, wollte ihm keinesfalls auf der Tasche liegen.

Mike kettete das Rad an das Metallgeländer, an dem Trish gelehnt hatte. Seine halblangen, braunen Haare fielen ihm strähnig ins Gesicht und waren etwas heller als die ihren, aber seine Augen hatten denselben Grünton. Auch war er kaum größer als sie und schien trotz seiner athletischen Figur immer schmaler zu werden.

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Seitenaufrufe: 17 mal Aufgerufen Am 5. August 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Dystopie, gesellschaftskritisch
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