Die Mutter des Marionettenkaisers

Die Mutter des Marionettenkaisers
Preis: 13,95 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Erscheinungsjahr: 2011
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783868703887
Die Mutter des Marionettenkaisers erzählt die Geschichte verschiedener Akteure im untergehenden Rom um 475 n.Chr. Im Mittelpunkt steht Servilia Gracchus, die spätere Mutter des jungen Kaisers Romulus, die sich bald des Mordes an ihrem früheren Geliebten Julius Aemilius, einem einflussreichen Politiker, verantworten muss. Auch das Schicksal Attilas, des Hunnenkönigs, und die Folgen für das Kaiserreich werdem dem Leser nähergebracht. Ulla Schmid erzählt in ihrem gewohnten Stil zügig die Lebensgeschichten der letzten römischen Kaiser und lässt dabei auch einiges an Fiktion einfließen.
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Leseprobe

Ausschnitt aus dem 13. Kapitel

Odoaker ahnte um die Gedanken des Orestes und gab ihm barsch zu verstehen: »Du weißt doch sehr genau, dass du meine Forderung nicht ablehnen kannst.«

»Gib mir noch drei Tage Bedenkzeit«, begann nun Orestes überheblich. »Ich werde dir dann sagen, wie ich mich entschieden habe.«

Odoaker bebte vor Zorn, und er sah, wie Romulus das Haupt senkte. Der Junge hatte sich überhaupt nicht geäußert. Dieser Orestes schien wirklich noch nicht begriffen zu haben, dass er es sich nicht leisten konnte, die Hilfstruppen vor den Kopf zu stoßen. Odoaker konnte sicher sein, dass Orestes seiner Forderung nicht nachkommen würde.

»Verlass dich drauf, dass ich mit den Hilfstruppen, die vor dem Palast warten, in drei Tagen wiederkomme, und glaube mir, du kannst es dir nicht leisten, uns abzuweisen. Bedenke die Folgen“, sagte Odoaker eindringlich.

Orestes grinste ihn höhnisch an. Auf keinen Fall würde er dem Ansinnen der Hilfstruppen nachgeben. Paulus indessen sah es als besser an, dem Ansinnen des Odo-aker und der Hilfstruppen nachzukommen. Mit seinen wirklich guten Argumenten konnte er Orestes nicht überzeugen.

Nach drei Tagen stand Odoaker vor Orestes und er wusste schon, was Orestes ihm sagen würde: »Ich habe mich entschieden, eurem Ansinnen nicht nachzugeben. Die Hilfstruppen erhalten hier in Italien kein Land.«

»Nun, dann musst du die Konsequenzen auch tragen«, meinte Odoaker. »Du bist wirklich nicht klug, Orestes. Dass du so ein Dummkopf bist, hätte ich nicht gedacht.«

Mit den Worten »Du kannst jetzt gehen und komm mir nie mehr unter die Augen« warf Orestes den Odoaker hinaus.

Odoaker starrte ihn böse an: »Du wirfst mich jetzt hinaus, aber ich komme wieder und ich komme nicht alleine. Die Hilfstruppen gehorchen mir aufs Wort. Das wirst du noch bitter bereuen.«

Es sollte nicht lange dauern, bis Odoaker mit den Hilfstruppen reagierte.   

Eines Morgens stürmte Paulus mit gehetztem Gesichtsausdruck in das Büro seines Bruders. So dringend war es, dass er nicht einmal anklopfte, was er sonst immer tat: »Schau mal aus dem Fenster«, forderte er ihn auf.

Orestes konnte sich nicht denken, was Paulus eigentlich von ihm wollte.  Draußen standen die Hilfstruppen in Reih und Glied. Orestes starrte Paulus an.

»Du kannst rausschauen, wo du willst. Sie haben den Palast umstellt, Odoaker führt sie an. Sie führen nichts Gutes im Schild und sie machen schon Anstalten, den Palast zu stürmen. Warum hast du auch das Ansinnen der Hilfstruppen abgelehnt?«, meinte nun Paulus. »Hättest du doch nur auf mich gehört.«

»Bei welchen Truppenteilen der Hilfstruppen steht Odoaker?«, fragte Orestes tonlos.

»Wozu willst du das wissen? Was hast du davon, wenn du das weißt?«, gab Paulus barsch zurück. »Es nützt uns jetzt nichts mehr, aber er steht am Haupteingang des Palastes. Komm mit, dann kannst du dich überzeu-gen.«

Zusammen stürmten sie an ein Fenster, das über dem Haupteingang lag. Sie hörten die harte Stimme des Odoaker, der in diesem Moment den Befehl zur Stürmung des Palastes bellte. Die Hilfstruppen setzten sich gut aufgestellt rasch in Bewegung. So waren in frühe-ren Zeiten die römischen Legionäre marschiert – diese Zeiten waren schon sehr lange vorbei.

Orestes begriff endgültig, dass er einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatte, als er das Ansinnen der Hilfstruppen über Odoaker abgelehnt hatte. Aber jetzt war es zu spät und alles »wenn« und »aber« und »hätte ich doch« nützte jetzt nichts mehr. Hier war für ihn, seinen Sohn, Paulus und seine wenigen Getreuen nichts mehr zu machen. Voller hochtrabender Pläne waren er und sein Bruder nach Rom gekommen und er mochte auch bitter daran denken, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre, nach Ostrom zu gehen. Aber auch das nützte jetzt nichts mehr.

Rasch rannte er mit Paulus in das Zimmer seines Sohnes: »Mach schnell. Wir müssen weg!«, herrschte er Romulus an. Dieser war so überrascht, dass er gar nicht fragen konnte, warum sie weg müssten, und Orestes nahm das Wort »Flucht« nicht in seinem Mund. Es war gar nicht so sicher, ob sie auch aus dem Palast kommen könnten. Odoaker wusste sicher um die geheimen Aus- und Eingänge des Palastes. Einige wenige Freunde waren schnell zusammengetrommelt und Orestes erklärte ihnen, dass eine Stürmung des Palastes durch die Hilfstruppen unter Anführung des Odoaker sicher sei.  

»Was ist mit Mutter?«, konnte nun Romulus fragen. »Nehmen wir sie nicht mit?«

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Seitenaufrufe: 28 mal Aufgerufen Am 9. März 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Historisch, Krimi, Roman
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