Die Lehren der Vergangenheit

Die Lehren der Vergangenheit
Preis: 3,99 €
Autor:
Genre: Fantasy
Webseite: www.blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Die junge Magierin Lelaina traut ihren Augen kaum, als ihr verschollener unsterblicher Onkel Merevas vor ihrer Tür steht, um sie in seine Heimat zu bringen. Er bangt um ihr Leben, denn der Vandhrukönig setzt alles daran, sie aufgrund ihrer Abstammung zu töten. Wie ihre daheimgebliebenen Freunde Marthian und Arinaya bald schmerzvoll erfahren müssen, ist der königstreue Kortas bereits auf der Jagd nach Lelaina. Er sieht in ihren beiden Freunden ein willkommenes Druckmittel und bringt sie ins vandhrische Königreich - nicht ahnend, welche tödliche Katastrophe er damit heraufbeschwört ...
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

1. Kapitel: Sommertage

„Das wird jetzt weh tun, aber ich gebe mein Bestes. Gleich ist es vorbei.“ Arinaya biß sich konzentriert auf die Unterlippe und warf noch einmal einen prüfenden Blick zu Tabera, ehe sie die Hände ansetzte und langsam begann, Druck auszuüben. Mit aller ihr zur Verfügung stehenden Kraft versuchte sie, das Ungeborene durch die Bauchdecke zu drehen. Nur Augenblicke später schrie Tabera aufs Neue. Unbeeindruckt fuhr Arinaya fort. Es war ein Kraftakt, für den sie zugleich sehr viel Fingerspitzengefühl brauchte. Sie biß die Zähne zusammen und schob und drückte, so vorsichtig es unter diesem Kraftaufwand möglich war. Die werdende Mutter schrie immer lauter. Doch nicht das war es, was Arinaya schließlich innehalten ließ. Es war das Kind selbst, das sich kaum bewegte.

Keuchend sank sie auf die Knie und holte tief Luft. Es mußte einfach klappen. Sie hatte es doch schon mehrmals gemacht. Sie sammelte noch einmal alle Kräfte und tastete nach dem Kind, dann versuchte sie wieder, es zu drehen. Wiederum rührte sich fast nichts. Tabera war einfach zu zierlich, das Kind schien unwiderruflich in seiner Seitenlage zu verharren.

Arinaya schaute zu Tabera. Es hatte keinen Sinn; sie bereitete ihr nur unnötige Schmerzen. Sie mußte etwas anderes versuchen, um Taberas Leben und das ihres Babys zu retten. Langsam sank sie gegen das Bett und warf einen Blick zu Kajana, Taberas Schwester.

„Ich brauche Lelainas Hilfe“, sagte Arinaya und wischte sich über die schweißnasse Stirn.

„Soll ich sie holen?“ fragte Kajana.

„Ja, tu das. Schnell. Ich bleibe bei deiner Schwester.“

Kajana nickte eifrig, öffnete die Tür und verschwand. Arinaya richtete sich auf und strich über Taberas Stirn. Die Laken, auf denen sie lag, waren inzwischen blutverschmiert. Neben dem Bett stand die Tasche mit Arinayas Werkzeugen rechts von einer kleinen Wasserschüssel auf einem Tisch. Rund um das Bett brannten Kerzen. Irgendwo im Haus knarrten Dielen; jeder war selbst um diese Zeit auf den Beinen. Taberas Wehen hatten am frühen Abend eingesetzt. Es hatte sehr lang gedauert, bis die Geburt endlich so weit fortgeschritten war, daß Arinaya darüber nachdenken konnte, das quer liegende Kind zu drehen. Seit Wochen schon machte Arinaya sich Sorgen darum. Und jetzt, wo es wirklich darauf ankam, ließ es sich einfach nicht drehen. Normalerweise war das ein Todesurteil für Mutter und Kind.

„Alles wird gut“, redete Arinaya beruhigend auf Tabera ein. Die junge Mutter hatte bereits zwei Kinder und war einige Jahre älter als Arinaya. Sohn und Tochter hatte sie ganz ohne die Hilfe einer Hebamme zur Welt gebracht, weil es damals noch keine in der Umgebung gegeben hatte. Doch nun war Arinaya seit über einem Jahr dort. Es war die vierte Geburt, die sie im Dorf begleitete.

„Es geht nicht, richtig?“ fragte Tabera mit hochrotem Kopf.

„Nein. Du bist zu schmal, weißt du? Es tut dir nur weh und hat keinen Erfolg. Ich werde das Kind mit Lelainas Hilfe holen.“

„Aber wie?“

„Sie wird dafür sorgen, daß du schläfst und keine Schmerzen hast. Dann kann ich schneiden, um das Kind zu holen, und Lelaina wird alles wieder verheilen lassen.“

„Kannst du das denn? Du könntest mein Kind verletzen!“

„Nein. Lelaina wird das verhindern. Hab keine Angst.“

„Hast du das schon gemacht?“ fragte Tabera und biß die Zähne zusammen. Sie stöhnte laut, als sie von einer erneuten Wehe heimgesucht wurde.

„Nein. Das nicht. Bislang ließen sich alle Kinder drehen, aber du bist einfach zu schmal. Und das trotz deiner anderen Kinder!“

Es dauerte einen Augenblick, bis Tabera antwortete. „Kann ich noch weitere Kinder haben?“

„Aber sicher. Lelaina wird dafür sorgen, daß alles wieder wird wie vorher. Du wirst nicht einmal eine Narbe behalten.“

Tabera nickte. „Einverstanden.“ Arinaya war nicht überrascht, denn obwohl diese Operation ohne Lelainas Hilfe Taberas sicheres Todesurteil gewesen wäre, wußte auch die junge Mutter, wozu Lelaina imstande war. Sie hatte bereits für viele erfolgreiche Amputationen und andere Operationen gesorgt. Sie machte es möglich, daß Menschen geheilt wurden, deren Todesurteil sonst besiegelt gewesen wäre.

Arinaya untersuchte Tabera noch einmal. Sie war bereit für die Geburt und diese wäre vielleicht schon vorüber, wenn das Kind richtig gelegen hätte. Aber so bewegte es sich kein bißchen und verursachte seiner Mutter furchtbare Schmerzen. Arinaya tupfte Taberas Stirn ab und redete beruhigend auf sie ein.

Es klopfte. Kajana und Lelaina betraten den Raum. Arinaya nickte dankbar und schaute zu Lelaina.

„Das Kind läßt sich nicht drehen. Ich werde schneiden müssen, um es zu holen. Mit deiner Hilfe kann es gelingen“, erklärte sie.

„Kannst du das denn?“ fragte Lelaina zögerlich. Sie band ihre langen dunklen Locken zurück und legte ihren Umhang ab.

„Mit deiner Hilfe sicherlich.“

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 39 mal Aufgerufen Am 12. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Fantasy, Freundschaft, Liebe, Magie, Unsterblichkeit
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.