DIE HINRICHTUNG IN DER ELBE

DIE HINRICHTUNG IN DER ELBE
Preis: 3,49 €
Autor:
Genres: Krimi & Thriller, Sachbuch
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781521470244
Ein junger Mann versucht dem repressiven Wehrdienst bei der Kasernierten Volkspolizei zu entfliehen und wird dabei in der Elbe auf geradezu barbarische Weise ums Leben gebracht. Ein Ehepaar, die Frau ist im fünften Monat schwanger, befindet sich bereits im niedersächsischen Teil der Elbe, als ein tragisches Unglück geschieht. Und als ein westdeutscher Bürger versucht, seinem ostdeutschen Freund zu helfen, gerät er beim Durchschwimmen der Werra ins gnadenlose Karabinerfeuer sowjetischer Besatzungssoldaten. Ein 18-jähriger wird auf seiner Flucht in die BRD angeschossen und bei minus 20 Grad ohne Erste Hilfe auf den tiefgefrorenen Auenwiesen der Elbe einfach liegen gelassen. Eine junge Frau versucht ihrer großen Liebe in den Westen zu folgen und stürzt sich an der Sudemündung in die eisigen Fluten der Elbe. Und ein junger Mann ist so verzweifelt, dass er mit 29 Jahren bereits drei Fluchtversuche in die Bundesrepublik unternommen hat – der vierte Versuch wird ihm zum Verhängnis. Sechs erschütternde Todesfälle in deutsch-deutschen Grenzflüssen hat der Autor für sein neues Buch recherchiert und erzählt. Ein Kapitel über die Arbeit der Zentralen Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) und ein Kapitel über die DDR-Grenztruppen mit allen relevanten Zahlen und Fakten sowie eine Todesfall-Chronik ergänzen das Buch.
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Erzählung 1: »VERBLUTET«

»Habt ihr schon das Neuste gehört?«, fragte Helmut Breuer, kaum das er die Kneipentür hinter sich geschlossen hatte.
Er stürmte zu seinen Freunden, die zu sechst an einem Tisch im hinteren Teil der Konsum-Gaststätte »Harders« in Bahlen nahe Boizenburg saßen.
»Es haben schon wieder zwei geschafft!«, rief er. »Und wieder über die zugefrorene Elbe!«
Seine Wangen glühten vor Aufregung.
»Nun setzt dich erst einmal und bestell dir ein Bier«, sagte einer seiner Freunde und klopfte ihm auf die Schulter.
Helmut streifte hastig seine Winterjacke ab und warf sie über die Stuhllehne.
»Aus der Brigade vom Rudolf! – Zwei Elektriker! Gestern Nacht! – Bei minus 20 Grad! – Sie haben sie nicht erwischt!«, rief er stoßweise.
»Aus der Brigade vom Rudolf?«, fragte ein hochgewachsener rothaariger Bursche mit kräftigen Händen und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Das gibt es doch nicht! Das sind doch die Hundertzehnprozentigen!«
»Tja, die meisten Leute reden anders als sie denken«, warf ein bärtiger junger Kerl ein, der Helmut Breuer gegenüber saß.
»Leute! Leute!«, rief ein Langhaariger, der am Kopfende des Tisches saß. »Wisst ihr, was mir wirklich Sorgen macht?«
Alle Köpfe gingen zu ihm.
»Wenn wir nicht aufpassen, werden wir bald die Letzten auf der Werft sein. Und wenn ihr mich fragt: Ich habe keine Lust, hier das Licht auszumachen!«
Mit einem Mal wurde es still am Tisch. Niemand rührte sich mehr.
»Wie meinst du das?«, fragte nach einer Weile Helmut Breuer und brach damit als Erster die Stille.
»So, wie ich es sage«, antwortete der Langhaarige trocken.
Wieder Stille. Alle Augen am Tisch waren auf ihn gerichtet.
»Nun tut doch nicht so, als ob ihr nicht auch schon daran gedacht habt, rüberzumachen!«, sagte er. »Was erwartet uns denn hier noch in diesem Scheiß-Staat seit sie die Mauer gebaut haben? – Schuften bis zum Umfallen! Für ein paar Kröten! Und was können wir uns dafür kaufen? Nichts! Außer dem Konsum-Scheiß, nach dem du auch noch stundenlang anstehen musst!«
Die anderen nickten zustimmend.
»Soll ich euch mal was verraten?«, fragte der Rotschopf. »Ich habe mich mal erkundigt, was ein Trabant P 500 kostet.«
Er machte eine künstliche Pause.
»Wollt ihr es wissen?«
Die anderen bejahten.
»Genau 7.450 Mark! – 7.450 Mark! – Selbst wenn ich es schaffen würde, mir von meinen monatlichen 240 Mark Lohn 30 Mark auf die hohe Kante zu legen, brauche ich ganze 20 Jahre, um mir diese Scheiß-Pappe kaufen zu können! – 20 Jahre! – Da bin ich über 40!«
»Beruhige dich, Alter!«, sagte der Bärtige. »Bis dahin ist er wenigstens fertig und du bekommst auch einen ausgeliefert!«
Die anderen lachten.
»Aber jetzt mal im Ernst, Jungs!«, rief der Langhaarige. »Mich hält hier nichts mehr! Ich bin der Nächste, der geht! Das steht fest! – Wer von euch kommt mit?«
Mit einer Mischung aus Faszination und Furcht sahen ihn die anderen an. Spontan meldeten sich vier. Auch Helmut Breuer war dabei. Das Glühen seiner Wangen hatte den ganzen Kopf erfasst.
»Und ihr?«, fragte der Langhaarige die beiden jungen Männer, die sich nicht gemeldet hatten. »Was ist mit euch? – Eine bessere Gelegenheit wird in diesem Jahr wohl kaum noch kommen! Die Elbe ist seit Wochen zugefroren und auch für die nächsten Tage sind zweistellige Minusgrade angesagt. Einfacher kommen wir nicht mehr in den Westen.«

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 8 mal Aufgerufen Am 3. Oktober 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Elbe, erschossen, ertrunken, Grenztruppen, Saale, schwanger, Todesschützen, überfahren, verblutet, Werra
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.