Des Nachts im finstren Wald – Dunkle Märchen

Des Nachts im finstren Wald – Dunkle Märchen
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Fantasy, Horror & Mystery
Webseite: https://www.facebook.com/JanaOltersdorffAutorin
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Willkommen im finstren Wald. Kommen Sie mit in die dunklen Ecken des Märchenlandes, dorthin, wo die Stiefmutter nicht die Erzfeindin, sondern Schneewittchens beste Freundin ist und ihr beim Kampf gegen die bösen sieben Räuber hilft. Wo das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern zurückkehrt – ein Jahr nach seinem Tod. Wo die vom Himmel fallenden Sterntaler keinen Segen, sondern tödliches Verderben bringen. Wo Rotkäppchen ein hinterhältiges Biest mit psychopathischen Ambitionen ist. Und wo der mutige Recke mitten im verzauberten Schloss plötzlich feststellt, dass es besser gewesen wäre, Dornröschen niemals in seinem Schlaf zu stören. Sieben Märchen für Hartgesottene – schaurig, abgründig, unheimlich, ungewöhnlich und auf dunkle Weise … märchenhaft!
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Leseprobe

Die Eingeschlossenen protestierten gegen die Ausgehsperre, Panik machte sich breit. Es kam zu tumultartigen Szenen am Haupttor, als eine Horde verzweifelter Edelleute mit ihren Familien versuchte, durch die Reihen der Wachen zu brechen und zu fliehen. Sie hatten sich mit Waffen und allem Hab und Gut, das sie tragen konnten, ausgerüstet und schlugen blind um sich. Es gab ein regelrechtes Blutbad. Aber nicht alle starben in den Wirren dieses Kampfes. Einige wurden an Ort und Stelle von der geheimnisvollen Schlafkrankheit befallen und sanken zu Boden.

Es machte vor niemandem Halt. Weder Alt noch Jung, weder Mann noch Frau, weder Herr noch Diener, weder Mensch noch Tier – alle fielen in den Schlaf der Toten, aus dem keiner mehr aufwachte.

Derweil wuchs der Ring aus den jungen Pflanzen weiter, wurde dichter und bildete winzige, messerscharfe Dornen an den Zweigen. Auch der Eingang zur königlichen Burg wurde überwuchert, weil niemand mehr über den Weg lief und sie niedertrampelte. Die Ranken bildeten eine undurchdringliche Dornenhecke um das gesamte Schloss. Sie krochen an den Mauern empor und umschlossen Zinnen und Türme, versiegelten Fenster, Türen und Tore und sperrten alles aus, selbst das Licht.

Der letzte wache Bewohner des Schlafenden Schlosses war der König selbst. Er saß zusammengesunken auf dem Thron und hielt auf dem Schoß seine Frau fest. Immer wieder strich er über Uotas Haar, bedeckte ihr Gesicht mit Küssen, flüsterte in ihr Ohr, flehte sie an, schrie sie an, sie solle aufwachen, doch nichts half, und seine Schreie verhallten ungehört in den verwaisten Korridoren. Heimerich vernahm nicht mehr das Geräusch von zerberstendem Glas, als sich die erste Dornenranke durch eines der Fenster im Thronsaal schob, denn auch er war zu guter Letzt eingeschlafen.

Das alles geschah vor nunmehr einhundert Jahren. Die Kunde von dem verwunschenen Königsschloss sprach sich rasch herum. Die Menschen hatten Angst. Angst vor dem schrecklichen Geheimnis, das sich hinter den Dornenranken verbarg. Angst vor den harten Zeiten, die unweigerlich anbrechen würden, nun, da das Reich keinen König mehr hatte.

Es dauerte nicht lange, da marschierten die benachbarten Herrscher fast gleichzeitig in das Land ein und beanspruchten es für sich. Ein Krieg brach aus, wie ihn das Königreich der Rosen noch nicht erlebt hatte. Er währte Jahrzehnte und kostete die Menschen ihre Kraft und das Land seine Schönheit und seinen Reichtum. Wälder wurden gerodet, Felder wurden vom Blut der Gefallenen getränkt, die Ernten fielen aus, und das Wasser in den Brunnen verdarb. Die Menschen litten unter Hunger und Krankheiten. Wer konnte, der floh. Nur wenige blieben und versuchten, ein letztes bisschen Würde aufrechtzuerhalten. So wie mein Großvater Rasvan und ich hier in diesem Gasthof.“

Ioan seufzte, ließ das Amulett los, ergriff sein Bier und prostete dem Alten in der Ecke feierlich zu. Seine Gäste starrten ihn mit großen Augen an und warteten darauf, dass er weitersprach. Alberics Herz hämmerte vor Aufregung.

„Woher weißt du das alles so genau?“, fragte Radolf mit zusammengekniffenen Augen. „Wie viel davon ist wahr, wie viel hast du dir ausgedacht, um uns Angst einzujagen?“

„Angst?“, entgegnete Ioan. „Ich befürchte, ich kann euch nicht genug Angst einjagen, um euch davon abzuhalten, oder? Ich könnte euch von den glücklosen Schatzsuchern berichten, denen es nicht gelang, auch nur eine kleine Bresche ins Dornengestrüpp zu schlagen. Ich könnte euch davon erzählen, dass sie alle in den dornigen Ästen und Zweigen hängen blieben, dass sie erstickten, aufgespießt oder regelrecht zerquetscht wurden von den mächtigen Ranken, die sich sofort wieder schlossen. Ich könnte euch von den Legenden erzählen, die sich um das Schlafende Schloss ranken wie die Dornengewächse um seine Mauern …“

(Aus „Das Schlafende Schloss“)

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Seitenaufrufe: 47 mal Aufgerufen Am 22. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Andersen, Grimm, Horrormärchen, Märchen, Qindie, Schauermärchen, Wald
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