Der Pakt

Der Pakt
Preis: 8,95 €
Autor:
Genres: Horror & Mystery, Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781515262862
In der idyllischen, englischen Kleinstadt Carbury geht alles seinen gemächlichen Gang, bis sich eines Tages übernatürliche Dinge ereignen: Eine Marienstatue weint Blut, es kommt zu mysteriösen Lichterscheinungen am Firmament, unheilbar Kranke genesen von ihren Leiden. Im Zuge dieser Ereignisse kommt ein Mann in die Stadt, der durch charismatisches Auftreten und Wundertaten beeindruckt, mit denen er Männer und Frauen in seinen Bann zieht. Ist er womöglich der wiedergekommene Messias? Der desillusionierte Einzelgänger Joshua Purwell und der Parapsychologe Adrian Brown schauen jedoch genauer hin. Ihre Fragen nach der Echtheit des mysteriösen Wundermannes werden zum Störfaktor in der Stadt. Sie stellen aber trotzdem ihre eigenen Nachforschungen an, um das Geheimnis, welches sich um den selbsternannten Messias rankt, zu lüften.
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Leseprobe

1

Joshua Purwell wickelte den kleinen Leichnam in ein Leintuch und trug ihn unter einem eiskalten Novemberregen hindurch, der ihm bis auf die Knochen schlug, zu dem Loch in der Erde. Die Leichenstarre war noch nicht eingetreten, deshalb lag der kleine Körper ohne jegliche Spannung in seinen Armen. Mit den andächtigen Schritten eines Mönchs, der eine geheiligte Reliquie in den Schrein zurückträgt, ging er auf das Erdloch zu, welches er kurz zuvor mit einer Schaufel ausgehoben hatte.

Seine Schuhe erzeugten schmatzende Geräusche auf dem durchnässten Rasen, während die kalte Wasserwand unentwegt auf ihn eindrosch. Der Regen fiel mittlerweile in rauschenden Güssen, und die hohen Zypressen, die das Grundstück säumten und ihn vor neugierigen Blicken schützten, vermählten sich mit dem pfeifenden Wind zu einem Klagelied.

Joshua erwog einen Moment, ob er das Loch nicht noch etwas tiefer ausheben sollte, entschied sich aber dagegen, da auf seinem Grund sich bereits Wasser sammelte. Danach ließ er sich auf die Knie sinken, und im selben Moment als diese den Boden berührten, drang eisiges Regenwasser in seine Jeans. Joshua schauderte und ließ das Bündel langsam in das feuchte Grab hinab.

Nachdem er sich mehrmals von der zufriedenstellenden Lage des Leichnams überzeugt hatte, begann er mit den Händen Erde über ihn zu häufen. Dabei ging er mit scheuer Behutsamkeit zu Werke, obwohl sein Verstand ihm sagte, dass es dem toten Körper einerlei war. Nachdem die elende Verrichtung beendet war, erhob er sich und fuhr sich mit dem Ärmel seines Pullovers über das regennasse Gesicht. Er widerstand dem Impuls, ins Haus zurückzulaufen und sich einen Regenmantel überzuziehen, stattdessen blieb er eine Weile trotzig vor dem provisorischen Grab stehen.

„Mach’s gut, Einstein“, sagte er schließlich, bevor seine Stimme brach.

Einstein war ein guter Kater gewesen und – Nomen est omen – auch ein verdammt kluger. Einsteins Verhalten hatte Joshua eher an das eines gut dressierten Hundes erinnert. Immer wenn Joshua das Grundstück durch das Gartentor hinter dem Haus verließ und auf den weiten, welligen Feldern Oxfordshires ausgedehnte Spaziergänge unternahm, war Einstein ihm bei Fuß gefolgt, oft kilometerlang. Für Katerverhältnisse war Einstein nie selbstsüchtig oder treulos gewesen – immer ein Freund, der zu einem hielt.

Einstein hatte gerade sein elftes Lebensjahr vollendet, als Joshua auffiel, dass er Probleme mit dem Wasserlassen hatte. Ebenso verweigerte er seit Tagen jegliche Nahrung. Der Tierarzt untersuchte die Harnwege und die Blase mit einem Endoskop: alles voller Tumore. Joshua musste seinen kleinen Freund einschläfern lassen, um ihm weitere Qualen zu ersparen. Es war ein Moment von beißendem Schmerz, als der Arzt die Todesspritze setzte und binnen weniger Sekunden trübte sich der Blick der ansonsten klaren bernsteinfarbenen Augen, die im scharfen Kontrast zu dem überwiegend schwarzen Fell standen.

Der Regen peitschte ihm nun stoßweise ins Gesicht und rann Tränenbächen gleich an ihm hinunter. Aber er selbst konnte nicht weinen – noch nicht. Mittlerweile war er so durchnässt, dass es keinen Unterschied mehr machte, ob er sofort ins Haus ging oder noch eine Weile stehen blieb.

Er stand am Rand des Grabes, starrte auf die dunkle Erde und dachte eine Weile über die Vergänglichkeit allen Lebens nach und die schiere Sinnlosigkeit deprimierte und ärgerte ihn abwechselnd. Auf Menschen ohne Haustiere mag dies lächerlich gewirkt haben, aber nicht zum ersten Mal in seinem Leben kam er sich vor wie der einzige Überlebende nach einer Sintflut – wie Noah, doch der hatte wenigstens seine Familie gehabt.

Seit dem Tag als Joshua Purwell in dieser Welt erwachte, waren siebenundzwanzig Jahre vergangen, in diesem Zeitraum finden sich gleich mehrere traumatische Brüche, die sich in einem melancholischen Zug im Gesicht des jungen Mannes deutlich manifestiert hatten.

Im Alter von fünf Jahren verlor er bereits seinen Vater, welcher als Produktionsingenieur in einer Fabrik arbeitete, die Gartengeräte herstellte. Manche Erinnerungen an seinen Vater waren heute noch recht deutlich, andere dagegen nur vage und verschwommen, dennoch erinnerte er sich an ihn als einen gutmütigen, stets gut gelaunten Mann mit dichtem Backenbart und sanft in den Nacken fallende Haare. Bei Wartungsarbeiten in der Fabrik bekam er den Kopf von einer Industriepresse zerquetscht.

Nicht einmal zur Hälfte erwachsen, und wenige Monate bevor Joshua sein Informatikstudium in Oxford antreten wollte, fiel seine Mutter erschreckend plötzlich tot um. Der zweite Schlag auf den er gewartet hatte.

Sie litt ohnehin seit dem Tod ihres Mannes unter starken Depressionen, hatte aber dennoch ihren Sohn mit einer Reihe schlecht bezahlter Jobs durchgebracht. Es erübrigt sich zu sagen, dass es für Joshua nun eine Weile alles andere als gut lief.

Bewertung: 5.0 von 5 (2 Bewertung)
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Seitenaufrufe: 61 mal Aufgerufen Am 7. Dezember 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Dämonen, gothic novel, Hohlbein, Paranormal, Religion
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