Der Nachahmer

Der Nachahmer
Preis: 3,49 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739318660
Vor der Ankunft in ihrer Ferienunterkunft auf der schottischen Isle of Skye werden Profilerin Andrea und ihre Familie in einen Verkehrsunfall verwickelt. Der herbeigerufene Polizist erkennt Andrea und bittet sie um Hilfe: Seit über einem Jahrzehnt vergewaltigt und ermordet ein Unbekannter halbwüchsige Jungen. Andrea hilft dem Sergeant und erstellt ein Profil, das schnell zu einer Festnahme führt, doch damit fängt der Ärger erst an ...
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Er brüllte, so laut er konnte, aber mehr als ein dumpfes Gurgeln brachte er nicht hervor. Wenigstens hatte er nicht mehr das Gefühl, an dem Schal in seinem Mund ersticken zu müssen.

Es war eher, daß er am Ekel erstickte, der in jede Pore seiner Haut drang. Ekel und Wut – das war alles, was er empfand. Allerdings wich beides allmählich einer bohrenden Angst, weil er nicht wußte, was dieser Mann mit ihm vor hatte, wenn er einmal mit ihm fertig war. Vielleicht würde er ihn töten. Immerhin hatte er ihn ja gesehen. Er könnte ihn beschreiben.

Dabei hätte Paul alles dafür gegeben, wenn nur der Schmerz endlich geendet hätte. Der Schmerz, der ihm den Verstand vernebelte und am ganzen Körper erstarren ließ. Die gefesselten Hände hatte er zu Fäusten geballt und zerrte immer wieder an den Stricken, die ihn so grausam bewegungsunfähig machten. Aber es half nichts. Schreiend biß er auf den Schal und versuchte, gegen die Tränen anzukämpfen, die ihm die Sicht vernebelten.

Mit jedem Stoß entfuhr ihm ein schmerzerfülltes Stöhnen. Das war so falsch. Er war doch nicht schwul. Er hatte eine Freundin.

Paul kniff die Augen zusammen und schrie, so laut er konnte, doch das war nicht genug. Es kam niemand, um ihm zu helfen.

Doch plötzlich hielt der Mann inne. Innerlich war Paul wie gelähmt. Starr vor Angst lag er da und vergaß beinahe das Atmen. Das war auch besser so, denn der Mann hatte ihn immer wieder so fest gewürgt, daß jeder Atemzug in seiner Kehle entsetzlich brannte und sich wund anfühlte. Sein Hals war rauh, immer wieder hustete er und erstickte dabei fast an seinem Knebel.

Dann bewegte sich der Mann. Paul sah, wie er sich anzog. Er fragte sich, ob das, was er zwischen den Beinen auf der Haut spürte, Blut war. Und er fragte sich, ob er jetzt sterben mußte.

Langsam drehte er den Kopf. Da stand der Mann neben ihm, die untersetzte Gestalt mit dem seltsamen Geruch und dem Schnurrbart. Er knöpfte sich hastig die Hose zu und starrte Paul an.

„Tut mir leid“, sagte er, drehte sich um und rannte aus dem Zimmer.

Fassungslos starrte Paul ihm hinterher. Tut mir leid? Der Kerl hatte ihn zweimal vergewaltigt und verschwand dann einfach mit den Worten, es tue ihm leid?

Hilfe, wollte Paul brüllen, aber es kamen nur erstickte Laute. Schreiend zerrte er an seinen Fesseln, aber so gruben sie sich nur noch tiefer in seine ohnehin wundgescheuerte Haut. Auch da war Blut.

Er konnte schon allein deshalb kaum atmen, weil er auf dem Bauch lag. An allen vieren gefesselt, splitternackt und in einer Situation, die er seinem ärgsten Feind nicht gewünscht hätte.

Immer wieder schrie Paul um Hilfe. Aber es war niemand da. Sein Peiniger war verschwunden und seine Eltern würden noch lange nicht nach Hause kommen.

Seine Eltern. Er fühlte sich wie gelähmt bei dem Gedanken daran, daß sie ihn so finden würden. Auch, wenn das Erlösung bedeutete.

Aber er hatte doch nicht wissen können, daß dieser Mann sich nur als Polizist verkleidet hatte. Und so, wie er ihm zugesetzt hatte, war es auch sinnlos gewesen, sich wehren zu wollen.

Plötzlich fühlte er sich schwach. Paul kämpfte nicht länger gegen die Tränen, sondern ließ sie laufen. Es tat so weh. Es fühlte sich so entsetzlich an. Erstickt wimmernd zerrte er an seinen Fesseln und versuchte, sich irgendwie zu befreien. Wenn er das schaffte, mußte niemand davon erfahren. Dann konnte er einfach so tun, als wäre es nie passiert.

Verzweifelt kämpfte er mit dem Schal und hustete. Seine Fesseln gaben nicht nach. Der Knebel auch nicht. Völlig wehrlos lag er auf dem Bett seiner Eltern und mußte warten. Dabei war es das, was er gerade am wenigsten konnte. So mußte die Hölle sein.

Er wollte weg. Einfach nur weg. Er wollte sich in eine Ecke setzen und die Welt vergessen. Sie war ohnehin gerade über ihm eingestürzt. Paul verspürte das dringende Bedürfnis, sich das Blut abzuwaschen. Blut und Ekel. Und er wollte nicht, daß seine Eltern ihn so fanden.

Andererseits mußten sie ihn unbedingt bald finden, denn sonst kam er dort nicht weg. Auf Gedeih und Verderb war er dort festgebunden, weil dieser feige Mann ihn einfach so zurückgelassen hatte.

Paul hätte sich nie träumen lassen, daß ihm so etwas jemals passieren könnte.

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Seitenaufrufe: 45 mal Aufgerufen Am 21. Oktober 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Ermittlungen, Profiling, Psychothriller, Sadismus, Schottland, Serienmord, Spannung
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