Der Kristall der Könige

Der Kristall der Könige
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Fantasy
Webseite: http://blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Er spürt seine Berufung. Aber für ihn ist sie nicht Segen, sondern Fluch. Als junger Mann zieht Agarin mit seinen Freunden aus, das zu tun, was ihm seit seiner Geburt bestimmt ist. Unterwegs begegnen sie Kayla, einer jungen Frau, die ihr altes Leben zurückgelassen hat und ein besseres sucht. Doch bevor ihre Aufgabe erfüllt ist, müssen sie dem mächtigen Herrscher über das Nachtschattenland gegenübertreten, der sie unablässig verfolgt. Denn er weiß, welchem Vermächtnis Agarin auf der Spur ist...
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Prolog

Neun Jahre zuvor

Er lief über die hell gepflasterte Straße zum Nachbarhaus hinüber, riß die quietschende Tür auf und stürzte am kleinen Bäckerladen vorbei in den Seitenflur hinein, der ihn hinauf zu seinem Freund führen sollte. Atemlos sprang er die Stufen hinauf und hämmerte aufgeregt mit den kleinen Fäusten an die Tür. Es dauerte nur Augenblicke, bis der Alte auf der anderen Seite der Tür angeschlurft kam, wohlwissend, wer ihn morgens früh bereits störte. Klackend wurde die Tür geöffnet, dann lugte ein freundlich lächelndes Gesicht durch den Türspalt.

„Agarin! Wer sonst sollte auch so ruhelos sein!“

„Lius“, unterbrach der Halbwüchsige den alten Mann, „ich habe wieder etwas gesehen! Es ist wichtig!“

„Das dachte ich mir. Komm nur herein!“ lud Lius den Jungen ein, woraufhin dieser sich an ihm vorbei in den Flur drängelte und in die kleine Wohnstube vorauslief. Kopfschüttelnd blickte der Alte seinem Nachbarsjungen hinterher, der gerade einmal elf Sommer zählte und aufgeweckter war als ein Sack Flöhe. Diesmal hatte er wenigstens keine Angst, dachte Lius.

Agarin hatte sich schwungvoll auf das weich gepolsterte kleine Sofa fallen lassen und knetete nervös seine Finger. Lius bemerkte wieder einmal die leuchtend roten Wangen im Gesicht des Jungen, seine vor Spannung strahlenden blauen Augen, freundliche, weiche Züge und noch etwas zerzauste, halblange dunkle Haare, die ihm in die Stirn hingen. Ein verrutschter Hosenträger  und das zerknitterte Hemd ließen erkennen, daß er andere Sorgen als sein äußeres Erscheinen hatte.

Der Alte folgte langsamer und auf seinen Stock gestützt, ließ sich in den großen Sessel sinken und atmete tief durch. Er hatte Agarin schon ganz anders erlebt, verschlossen und ängstlich; daß er ihn diesmal in einer solchen Aufregung fand, erleichterte ihn fast.

„Dann erzähl doch mal, was du jetzt gesehen hast!“ forderte Lius den Jungen auf, der sich offensichtlich in dem mit hohen vollgestopften Bücherregalen verstellten Raum ganz wie zuhause fühlte.

„Ich habe Drachen gesehen, Lius! Große, richtige Drachen!“ Agarins Stimme überschlug sich fast vor Freude. Unruhig rutschte der drahtige Junge auf dem Sofa herum und wartete auf eine Antwort.

„Wo waren die Drachen denn?“ fragte Lius und legte seine hohe Stirn in Falten.

„Auf einem richtig hohen Berg! So etwas habe ich noch nie gesehen, dagegen sind die Berge im Sichelgebirge winzig klein! Und da war nur dieser Berg und darunter im Nebel ein riesiger Wald. Auf dem Gipfel des Berges saßen zwei oder drei große Drachen mit langen Hälsen und Zacken darauf und scharfen Zähnen. Aus ihren Nüstern kam Rauch! Sie hatten Augen wie Katzen und große Schuppen, die im Licht geschillert haben. Einen spitzen langen Schwanz hatten die Drachen auch. Sie sahen genauso aus wie auf dem Bild, das du mir gezeigt hast!“

„Das Bild hat jemand gemalt, der die Drachen gesehen hat. Es ist sehr alt, denn früher gab es mehr Drachen als heute und sie waren damals noch viel freundlicher.“

„Diese Drachen sahen aber überhaupt nicht freundlich aus! Sie saßen um ein Nest herum, und darin lag ein schillerndes Stück wie von diesem Kristall. Es glitzerte in der Sonne. Ich habe direkt daran gedacht, daß es ein Splitterstück sein kann!“ Mit großen Augen blickte Agarin zu Lius, der ruhig zurückgelehnt in seinem hohen dunklen Sessel saß und mit den knorrigen Fingern auf seinem Gehstock herumtrommelte. Seine eingefallenen, faltigen alten Gesichtszüge verrieten erst langsam ein wenig Aufregung, aber das nicht etwa deshalb, weil Agarin ihn angesteckt hätte. Er begriff vielmehr, was der Junge da erzählte. Seine schmalen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, die klaren hellen Augen glitzerten leicht und Agarin konnte förmlich sehen, wie der Alte zu überlegen begann. Er kratzte sich mit einer Hand im schütteren grauen Haar und zupfte die um seine knochigen Schultern gelegte braune Decke zurecht, die er über seiner schlichten Leinenkleidung trug, dann erst setzte er zu einer Antwort an.

„Du hast eines der Splitterverstecke im Traum gesehen. Ich denke, diese Drachen leben auf dem berühmten Horst des Ramun, des Pfeilspitzenberges im Weltenwald. Ich wußte nicht, daß dort ein Kristallstück liegt, aber es war zu erwarten.“

„Wo ist das? Ist das weit?“ fragte Agarin sofort.

„Ja, für einen Jungen wie dich ist das weit. Die Darlinod-Pforte ist geschlossen, du müßtest durch den Weltenwald laufen, um dorthin zu kommen. Dafür bist du zu jung.“

„Aber ich habe gar keine Angst davor. Die Drachen tun mir doch nichts, wenn ich das Stück holen möchte!“

Lius lächelte. „Da hast du Recht, dir würden sie nichts tun. Aber denk doch an all die scheußlichen Dinge, die du zuvor gesehen hast. All das würdest du auf dem Weg dorthin erleben!“

„Wirklich?“ Agarins freudiges Lächeln erstarb. Es tat Lius leid, ihm diesmal seine Illusionen nehmen zu müssen, doch er war noch zu jung, um seiner Berufung folgen zu können.

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Seitenaufrufe: 46 mal Aufgerufen Am 26. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Freundschaft, Gefahr, Held, High Fantasy, Liebe, Magie, Quest, Reise
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