Der Käsesturm

Der Käsesturm
Preis: 13,90 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: www.andreas-tietjen.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783765091124
Glitzer, Glanz & Großmarkttreiben - Peter Loetsch – Astronom, talentfreier Bestsellerautor und verkrachte Existenz – geht in seiner neuen Heimat Hamburg zufällig seinem alten Studienfreund Ferdinand Rauterberg in die Fänge. Ferdinand – immer eine Spur »feiner« als ihm zusteht – führt ihn in eine Parallelwelt des Hamburger Großmarkts ein, wo Maximilian Sturm – seines Zeichens Käse-Affineur – einen schillernden Kreis illustrer Persönlichkeiten um sich schart. Die Dekadenz kennt keine Grenzen und reißt so manche Seele in den Abgrund ... Vom Schein und Sein einer Miniaturgesellschaft - Immer in den frühen Morgenstunden trifft eine elegant gekleidete Gesellschaft aus verschrobenen Persönlichkeiten in den Hallen des Hamburger Großmarkts zusammen. Hier entfliehen sie der Realität, indem sie inmitten des hektischen Marktbetriebs und bei kulinarischen Köstlichkeiten eine Selbstdarstellung üben, die mit ihrer realen Existenz nichts gemein hat. Zufälle bestimmen das Leben des arbeitslosen Astronomen Peter Loetsch. Durch Zufall ist er Schriftsteller geworden, zufällig ist sein erster Roman für kurze Zeit zum Bestseller avanciert und das zufällige Zusammentreffen mit seinem ehemaligen Kommilitonen Ferdinand Rauterberg hat ihm den Zugang zur Manege der eitlen Lebenskünstler um den Käsehändler und Affineur Maximilian Sturm ermöglicht. Einzig Sohn Dennis mit seinen ständigen Eskapaden entlässt den Protagonisten nie ganz aus der Wirklichkeit.
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Apple iTunes kaufen.
Jetzt das Buch bei Weltbild.de kaufen.
Jetzt das Buch bei Thalia.de kaufen.
Jetzt das Buch bei ebook.de kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

So nehmen wir denn Abschied von einem Freund, den wir nur kurze Zeit kannten, der aber unser Leben verändert hat wie wohl kaum ein anderer. An diesem eisigkalten Januartag wird im Beisein unzähliger Freunde, Bekannter und Schaulustiger die übergroße, Pink-Paisley-lackierte Holzkiste für alle Ewigkeit im Erdreich des Hamburger F­riedhofs Ohlsdorf versenkt.
»Asche zu Asche, Staub zu Staub«, predigt der Pfarrer pathetisch.
»Schnee zu Schnee«, ergänze ich gedankenverloren.
Unangemessenes Gekicher ertönt von weiter vorne.
»Was hat er gesagt?«, von schräg hinten.
»‚Schnee zu Schnee’ hat er gesagt!«
Unterdrücktes Gelächter breitet sich in den Reihen der Trauergäste aus und vermischt sich mit dem Schluchzen der engsten Verehrer des Maître.
»Was machen wir nun?«, raune ich Ferdinand zu, meinem einzig verbliebenen Freund.
»Wir werden uns noch einmal auf Kosten des dicken Käsehändlers besaufen und das war´s dann«, erwidert die hagere Gestalt in ihrem typischen meckernden Tenor. »Machen wir uns nichts vor, die fetten Jahre sind vorbei. Wir sind heimatlos geworden, so wie wir einst heimatlos waren. Es ist aus und vorbei. Komm, lass uns vorgehen ins Café, damit wir noch einen Sitzplatz kriegen!«
Ferdinand

Meine Wohnung in Köln hatte ich wegen meiner vorübergehend angespannten finanziellen Lage nicht mehr halten können. Sie war zudem viel zu groß für mich alleinstehenden Mittfünfziger und zu weit entfernt für die häufigen Besuche bei meinem Hamburger Verleger. Kurz entschlossen war ich dem Wink des Schicksals gefolgt und hatte meinen Wohnsitz in die Hansestadt verlegt. Ich hatte in Köln keine nennenswerten sozialen Kontakte, also würde ich mich in Hamburg in dieser Hinsicht nicht verschlechtern können. Der Frühling stand vor der Tür und mein Gefühl sagte mir, dass ein neuer Lebensabschnitt bevorstand. Diesmal sollte es nach vielen unbefriedigend verlaufenen Veränderungen endlich wieder bergauf gehen. Ich spürte das, und aus diesem Grund war mir nicht, wie gewöhnlich, unwohl bei meinem Standortwechsel.
Ich hatte allerdings keine Ahnung, wie schwer es sein sollte, eine bezahlbare Wohnung in einem einigermaßen adäquaten Umfeld zu finden. Meine Ansprüche und Vorstellungen wurden Zentimeter für Zentimeter nach unten korrigiert, um schließlich in einem wahren Provisorium zu enden. Bis mein Verlag seinen Aufgaben und Pflichten mir, dem Schriftsteller, gegenüber nachkommen und meinen zweiten Roman gewinnbringend vermarkten würde, wollte ich mich mit einer altmodisch möblierten Eineinhalbzimmerwohnung im Stadtteil Borgfeld zufriedengeben. Und von dort konnte ich bei schönem Wetter mit Vergnügen zu Fuß zum Verlagshaus am Rothenbaum gehen.
Bei einem dieser Fußmärsche geschah es dann, dass sich eine neue Tür in meinem festgefahrenen Leben auftat.
»Was für eine verdammte Sauerei!«, rief eine mir irgendwie bekannte Stimme mit schrill nasalem Timbre. »Ich könnte diese verfluchten Köter allesamt umbringen! Mit den bloßen Händen! Wenn ich einen von euch asozialen Hundehaltern in die Finger bekomme, dann Gnade euch Gott! Ihr erbärmliches Pack!«
Ich hatte genug gehört, um mir ganz sicher zu sein.
»Ferdi, was für ein Zufall! Was führt dich in diese ehrwürdige Stadt?«
Ein Mann von hagerer Gestalt, die in einem tadellosen Anzug steckte, drehte sich langsam zu mir um. Er hielt noch das beschmutzte Taschentuch in der Hand, mit dem er sich den Hundekot von seinem linken Schuh abgewischt hatte.
»Wenn ich nicht ein so verdammt gutes Gedächtnis hätte, dann würde ich dich nach so vielen Jahren nicht erkennen. Peter Loetsch, wenn ich mich nicht irre? Der farblose Peter, der uns ehedem im Hörsaal der Universität zu Heidelberg die Luft zum Atmen nahm.«
»Ferdi wie er leibt und lebt. Du machst immer noch die gleichen Scherze wie damals«, erwiderte ich säuerlich.
»Nenn mich bitte nicht Ferdi! Wir sind seit ein paar Jahrzehnten erwachsene Menschen. Ich sage ja auch Peter zu dir und nicht Popel oder Pupsi, wie wir dich früher zu nennen pflegten.«
Diese Spottnamen hatte ich völlig aus meiner Erinnerung verbannt, obwohl oder gerade weil ich jahrelang darunter gelitten hatte. Aber in der Zwischenzeit hatte sich ja einiges verändert und ich war ein angesehener Autor und Schriftsteller geworden. Ich hatte sogar einen Bestseller gelandet. Drei, vier Jahre ist das jetzt schon her, aber mein neuer Roman würde mit Sicherheit an den alten Erfolg anknüpfen.
»Ich habe von deinem Buch gelesen«, fuhr Ferdinand in versöhnlichem Ton fort. »Alle Achtung! So etwas hätte ich dir gar nicht zugetraut!«
»Hast du nur über mein Buch oder hast du das Buch selbst gelesen?«, fragte ich neugierig.
»Nein, nein, solche Schundliteratur würde ich nie in die Hand nehmen. Solche Verwechslungskomödien sind doch eher etwas für reifere Damen oder Taxifahrer während der Nachtschicht.«
»Das Buch ist keine Verwechslungskomödie, sondern eher ein Schicksals…«
»Richtig, ich erinnere mich! Schicksal und Herzschmerz, so ungefähr. Nein danke, nichts für mich, mein Lieber!«

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 24 mal Aufgerufen Am 7. Juni 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Fiction, Hamburg, Markthalle, paradox, Popliteratur, Roman, sozialkritisch, Spannung, surreal
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.