Das Vermächtnis der Feen

Das Vermächtnis der Feen
Preis: 4,28 €
Autor:
Genres: Fantasy, Kinder & Jugend
Webseite: www.brigitte-endres.de
Erhältlich: Als E-Book
Seit Josie in Chicago angekommen ist, geschehen Dinge, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Erst trifft sie dieses fremde Mädchen, Amy, mit dem sie eine unfassbare Gemeinsamkeit verbindet. Immer wieder glaubt sie, eine seltsame Melodie zu hören, und dann erreicht sie ein mystischer Hilferuf. Um der Sache auf den Grund zu gehen, reisen Josie und Amy nach Irland, wo sie jäh in einen Strudel magischer Ereignisse geraten. In der Bibliothek ihres Gastgebers zerbröseln plötzlich antike Bücher mit alten irischen Mythen zu Staub. Zwei irische Hausgeister, eine Zwergin und ein Leprechaun, die kurioserweise nur in Reimen sprechen, stellen sich ihr vor. Endlich erfährt Josie von ihrem uralten Erbe, das allein sie befähigt, die Welt am Rand der Träume vor dem Untergang zu bewahren. Eine gefahrvolle Reise beginnt. Doch in Arthur, dem Nachfahren einer alten irischen Bardenfamilie findet Josie einen treuen Gefährten. Höchst unerwartet stößt ein weiterer Begleiter dazu, der schließlich für eine Überraschung sorgen wird … „Das Vermächtnis der Feen“ – fesselnd, märchenhaft und wunderbar poetisch!
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Leseprobe

Ein Glockenschlag zerriss das Schweigen und ließ sie zusammenzucken. Ein weiterer Glockenschlag folgte. Ein dritter, ein vierter, ein fünfter, … ein zwölfter. Josie wurde kalkweiß. Die Melodie, die sich aus den Schlägen formte und nun in purpurroten Wellen durch den Raum schwebte, kannte sie gut. Wolf war bereits beim ersten Ton aufgesprungen. Mit zitternden Flanken fixierte er die gegenüberliegende Wand.

Arthur drehte sich um. »Die Uhr!«, stellte er verblüfft fest. »Es ist die Uhr. – Aber wie …? Sie geht doch gar nicht! Ich meine – sie ist nie gegangen!«

Josie starrte auf das Zifferblatt. »Ist es echt schon Mitternacht?«

Arthur hob seine Armbanduhr und nickte.

Josie beobachtete den großen Hund, der ohne Eile die Bibliothek durchschritt. Arthur erhob sich und folgte ihm. Josie kam zögernd nach. Hoch über ihren Köpfen standen die verschnörkelten Zeiger deckungsgleich auf Punkt Zwölf. Darüber leuchtete ein kleiner silberner Vollmond.

»Sogar die Mondphasenanzeige funktioniert wieder«, wunderte sich Arthur. »Versteh ich nicht. Angeblich hat schon mein Urgroßvater versucht, die Uhr reparieren zu lassen.«

Dann schien eine der geschnitzten Knospen der Bücherwand unter Josies Fingern nachzugeben. »Da, die hier …!«, rief sie aufgewühlt, und versuchte die Blüte nach rechts zu drehen. Aber es tat sich nichts.

Völlig gegen seine Gewohnheit gebärdete sich Wolf wie ein Verrückter, heulte, warf den Kopf, bebte am ganzen Leib. Josie probierte es mit einer Linksdrehung. Wieder nichts!

»Verdammt!« Sie donnerte mit der Faust gegen das Schnitzwerk. »Autsch!«

Noch während sie sich noch die Hand rieb, enthüllte Springwood Manor sein Geheimnis.

Unter schaurigem Knarren sprang die Rankensäule zur Seite. Wolf bellte. Ein dunkles, unmissverständlich Beifall bekundendes Bellen.

»Bloody hell!«, stieß Arthur aus.

Josies Gedanken brodelten. Wie konnte das sein? Konnte Moma hellsehen?

Arthur trat einen Schritt vor. »Ich werd verrückt! Er ist wieder aufgetaucht. Ist er nicht wunderschön?« Ehrfürchtig strichen seine Hände über einen länglichen Stein, der ihn um einige Zentimeter überragte.

»Der Ogham-Stein!«, presste Josie hervor.

Arthur tastete behutsam die eingekerbten Schriftzeichen ab. »Hat dir Onkel Aaron von Conall O’Reardon und dem Stein erzählt?«

Josie nickte abwesend. Arthur ließ kein Auge von dem Fund.

»Er ist unglaublich gut erhalten! Wahnsinn! Man hätte eigentlich schon viel früher darauf kommen können, dass er im Haus versteckt sein muss. Conall hat Springwood Manor um den Stein herum bauen lassen. Um das Kernstück des Hauses – die Bibliothek.«

Josie hörte ihm kaum zu. Im Pulsschlag ihres Herzens hämmerte ein Gedanke in ihrem Kopf: Der rechte Ort, das rechte Wort. – Der rechte Ort, das rechte Wort …

»Der Stein ist der Schlüssel«, sagte sie erregt. »Ich muss unbedingt herausfinden, was darauf steht.« Sie lief zum Couchtisch, wo

ihre Großmutter die Bücher abgelegt hatte, mit denen sie ihre Recherche fortsetzen wollte.

Kurz darauf saß Josie mit dem Band über Ogham-Steine auf dem Parkett. Sie schlug mit der Handfläche auf den Einband. »Ob wir es schaffen, damit die Zeichen zu entziffern?«

Arthur strich sich ratlos durch die Haare. »Weiß nicht, wird nicht leicht sein. Auch wenn wir die Buchstaben herausfinden. Der Text ist bestimmt altgaelisch – und um Orthografie haben die sich früher auch nicht geschert. Sicher sitzen wir in vier Wochen noch hier, wenn wir den Stein dechiffrieren wollen. Wir sollten auf Onkel Aaron warten. Der kennt sich mit der alten Sprache ganz gut aus.«

Josie legte enttäuscht das Buch beiseite. Wolf steuerte auf seinen langen Beinen auf sie zu und stupste sie so fest gegen die Brust, dass sie fast umfiel.

»Was soll das, alter Knabe?«

Noch während sie sich entrüstet hochrappelte, wurde ihr klar, was der Hund von ihr wollte. Sie sprang auf und zog die Drachenfibel hervor.

»Was machst du da?« Aber Arthur erhielt keine Antwort. Fassungslos beobachtete er, wie das Purpurherz mit einem Mal eine Funkenkaskade versprühte.

Dann sprach Josie wie in Trance die Worte:

»Von den Dingen zu den Träumen,

zu den tief verborg’nen Räumen,

möge dieses Tor mich bringen.

Weiche, Stein, und lass mich ein!«

Arthur wollte eben sein Erstaunen kundtun, als etwas so Eigenartiges geschah, dass es ihm die Sprache verschlug: Josie hatte kaum das letzte Wort gesprochen, da spaltete sich der Stein in zwei Hälften. Ein Gang tat sich auf. Eng, doch breit genug, ihn zu passieren. Wie eine Schlafwandlerin trat Josie durch die Pforte. Wolf folgte ihr, als hätte er auf diesen Augenblick nur gewartet …

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Seitenaufrufe: 73 mal Aufgerufen Am 16. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Abenteuer, Anderswelt, Anderwelt, Fantastisch, Feen, Irland, Märchen, Mythen
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