Das leise Glück des Herrn Gagarin

Das leise Glück des Herrn Gagarin
Preis: 0,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Humor
Webseite: www.johannawasser.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Es kann ja nicht immer regnen, oder etwa doch? Er heißt wie der russische Volksheld schlechthin, lebt aber in Deutschland. Er rackert sich ohne Rücksicht auf die Gesundheit im Job ab, wird aber fristlos gekündigt. Er liebt seine Frau von Herzen, verliert sie aber. Warum nur? Ein schrulliger Hausmeister, skrupellos geldgierige Arbeitgeber und eine hundertjährige Schwiegermutter spielen dabei ihre Rollen. Doch an Juri selbst liegt es, dass er auf seiner Suche nach dem Glück immer stiller wird … Bis er nach Moskau fährt, in einem Nachtklub zuerst abgezockt, dann mit der Pistole bedroht wird – und seine im Alltag untergegangenen Träume wiederfindet. Ist es da schon zu spät für ihn? Johanna Wasser wurde bekannt durch Liebesromane, deren Helden romantisch bis dramatisch nach dem Glück forschen. Das trifft im Kern auch auf dieses Werk zu. Allerdings schlägt die Autorin hier einen völlig neuen Ton an. »Das leise Glück des Herrn Gagarin« erzählt die Geschichte eines klassischen Antihelden, der sich über die Jahre selbst aufgegeben hat. Zugleich dreht sich der Roman um das Leben einer Familie und der Menschen, die ihr äußeres Universum ausmachen. Ein schillerndes und spannendes Mosaik ist gelungen. Atmosphärisch dicht erzählt. Mit Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen in ihrer Menschlichkeit und der gegenseitigen Akzeptanz und Liebe.
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Leseprobe

…Zu seinem Glück schienen zu dieser Zeit die Bewohner nicht duschen zu wollen. Fürs Zähneputzen und eine Katzenwäsche reichte offenbar das Waschbecken in ihren Zimmern. Beim Betreten des Bades bemerkte der Hausmeister Iwans Blick auf sich. Der Russe murmelte ihm etwas hinterher. Es reicht ihm wohl nicht, dass er hier übernachtet, jetzt will er auch noch unser Wasser verschwenden, übersetzte ihn Heinrich in seinen Gedanken, fragte aber nicht weiter. Stattdessen sah er sich das Bad an. Es war kalt und es müffelte leicht. Nicht die Spur von Wohnlichkeit. Auf einmal kam ihm das Waschbecken in Jelenas Zimmer geradezu modern und die unverputzten Wände in der ganzen Wohnung wie die Arbeit eines Malermeisters vor. In diesem Raum hatte seit Jahrzehnten niemand mehr etwas gemacht. Heinrich sah auf seine Füße, froh, auf Juri gehört zu haben. Eigentlich mochte er keine Badeschuhe. Aber barfuß hätte er es keine Minute in diesem Feuchtbiotop ausgehalten. Wahrscheinlich wollte mich Iwan nur warnen, dachte er, legte sein Handtuch auseinander und drehte den Verschluss der Duschgelflasche auf. Es kam ihm unanständig vor, einfach in die Dusche zu pinkeln und wieder zu gehen, obwohl er sich sicher war, dass dies nicht einmal auffiele. Er hielt sich das Duschgel unter die Nase, um den widerwärtigen Gestank zu übertünchen, und begann sich auszuziehen.

Iwan überlegte, an die Tür zu hämmern, war sich aber sicher, dass das nichts bringen würde. Sie hatten dem Deutschen gestern nur Spasibo und Poschalusta beigebracht. Nasdorowje kannte er vorher schon. Mit diesem Wortschatz bestand keine Chance, dass er ihn verstand.

»Lena, steh auf!«, rief er, nachdem er die Tür zu Jelenas Zimmer aufgestoßen hatte.

»Was ist denn los?« Juri sprang von seiner Luftmatratze auf. Seine Schwester wühlte sich aus ihrer Decke heraus und schob sich das Haar aus dem Gesicht. »Wo ist Heinrich?«, fragte Gagarin weiter. Jelena beugte sich aus dem Bett nach unten und starrte auf die leere Luftmatratze des Deutschen.

Eine Minute später standen die drei vor dem Bad. Es war Jelena, die auf die Tür einhämmerte.

»Ich dusche«, rief Heinrich und drehte den Wasserregler mit dem roten Punkt in die Mitte.

Dass kein Wasser zu hören war, wunderte lediglich Juri. Juri und Heinrich auf der anderen Seite der Tür.

»Was ist das für ein Mist?«, schrie er.

»Oh, oh«, sagte Iwan.

»Sag mir bitte, dass du dich noch nicht eingeseift hast«, bat Gagarins Schwester. Zu Juri sagte sie nur: »Die Dusche funktioniert nicht.« Dabei biss sie sich auf die Unterlippe. Juri sah in ihren Augen, dass ein Gast, der duschen wollte, hier nichts Neues war. Neu war allerdings, dass ein Gast es geschafft hatte, sich von Kopf bis Fuß einzuseifen, bevor er feststellte, dass er sich nicht abduschen konnte.

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Seitenaufrufe: 46 mal Aufgerufen Am 22. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Liebe, lustig, Russen, Waldimir Kaminer
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