Das Glück kennt kein Erbarmen

Das Glück kennt kein Erbarmen
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Webseite: www.haraldschmidt-ebooks.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781517373368
Als Nicole Manfred Kirchner begegnet, glaubt sie, den Richtigen für ein bleibendes Glück gefunden zu haben. Als das Monster die Maske dann fallen lässt, ist es schon zu spät. Nicole muss einen sehr hohen Preis bezahlen: Sexueller Missbrauch, grausame Misshandlung und kriminelle Machenschaften ihres Mannes treiben Nicole fast in den Freitod. Ihr Weg kreuzt den eines älteren Mannes. Nun erfährt sie, dass es auch Menschen gibt, die Hilfsbereitschaft und Freundschaft über ihre eigene Sehnsucht nach Liebe stellen. Doch Manfred Kirchner ist nicht der Mann, der sein Opfer so schnell aus den Klauen lässt. Das Schicksal treibt ein makabres Spiel und zwingt zwei Menschen an die Grenze des Zumutbaren. Misshandlung an Frauen, die Sehnsucht nach wahrer Liebe, selbstlose Aufopferung und Trennungsschmerz weben eine tragische Romanze, die das Herz berührt. Wird Nicole sich befreien können? Erkennt sie das wahre Glück und greift danach? Autor Harald Schmidt lässt den Leser wie schon in seinen beiden vorangegangenen Romanen tief in die dunklen Seiten des menschlichen Zusammenlebens eintauchen und bietet viel Stoff für Diskussionen. Ein ergreifender Frauenroman, der für Männer nicht geeignet ist. Sie würden das Buch und den Autor hassen.
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Leseprobe

Du wirst sie nicht finden. Gib auf!

Das Meer schrie mir diese Worte entgegen. Doch ich stakste weiter durch den weichen

Untergrund, dorthin, wo ich die Frau vermutete, und tauchte ab in die Schwärze. Nichts.

Absolut nichts war zu ertasten. Die Luft wurde knapp und zwang mich zum Auftauchen.

Nach Atem ringend, suchte ich die Wasseroberfläche nach einer Bewegung ab. Es mussten

doch Luftblasen auftauchen! Die gierigen Arme der See gaben ihr Opfer nicht mehr frei.

Ein weiteres Mal holte ich tief Luft, tauchte und streckte meine Finger aus. Seetang

schlang sich um meine Arme und Beine. Finsternis umfing mich, ich wusste nicht mehr, wo

oben und unten war. Ich folgte beim Auftauchen meinen eigenen Luftblasen. In dem

Augenblick, als ich aus dem Wasser stoßen wollte, berührten meine Fü.e etwas Festes.

Zugreifen! Meine Lungen gierten nach Sauerstoff. Todesangst sprang mich an.

Licht … endlich! Wie von Sinnen sog ich die Leben spendende Luft ein und merkte erst

später, dass ich da noch etwas umklammert hielt. Die langen Haare waren wie Seetang um

meine Hand gewickelt. Mit einem Ruck zog ich ihren Kopf an die Wasseroberfläche und

schlang meine Arme um den Oberkörper der Frau. So schnell es mein Körper noch zuließ,

zerrte ich sie Richtung Ufer. Der Strand war in Abenddämmerung getaucht. Die Kräfte ließen

allmählich nach. Der Sog der Brandung versuchte uns wieder ins tiefe Wasser zu ziehen.

Panik beherrschte mich plötzlich und ich fragte mich, ob ich sie besser loslassen sollte. Nein,

keine Macht der Welt würde mich dazu bringen. Irgendwoher mobilisierten sich letzte

Reserven. Ich spürte das volle Gewicht der Leblosen, als ich endlich das niedrige Uferwasser

erreichte. Die Flut hatte eingesetzt, die unruhige See drohte mir, zeigte ihre Wut, indem sie

mich mit schäumender Gischt überschüttete. Ich hatte ihr ein sicher geglaubtes Opfer

entrissen.

Am Strand ließ ich den Körper kraftlos in den Sand gleiten und warf mich daneben.

Mein Atem rasselte. Mit zitternder Hand tastete ich zum Hals der Frau. War da ein Puls, eine

Atmung? Nichts. Nur kaltes Fleisch, leblose Haut.

Das kann, das darf nicht umsonst gewesen sein!, schoss es mir durch den Kopf.

Wiederbelebung. Ich musste mit Wiederbelebungsversuchen beginnen. So schnell es

mein Zustand zuließ, kniete ich mich neben sie und legte beide Hände zwischen die

Brustansätze. Rhythmisches Pumpen, ohne die richtigen Abstände wirklich zu kennen. Nach

einer Weile setzte ich ab. Musste man nicht zwischendurch auch eine Mund-zu-Mund-

Beatmung durchführen? Die Lungen brauchten Sauerstoff.

Seltsam … Es war mir peinlich, meine Lippen auf ihre zu legen. Es schien mir, als nutzte

ich die Hilflosigkeit dieser Frau aus, als würde ich mich an ihr vergehen. Trotz schmerzender

Lungen blies ich Atemluft in ihren Mund. Die Nase verschloss ich mit den Fingern, als ich

bemerkte, dass die Luft durch sie wieder entwich.

Das Herz. Ja, jetzt musste ich wieder das Herz massieren. Es schien Stunden zu dauern.

Jegliches Zeitgefühl war mir abhanden gekommen. Und auch die Hoffnung schwand.

Du darfst nicht aufgeben. Du musst diese Frau retten. Sie ist doch noch so jung. Atme,

bitte atme doch!

Diese Gedanken gaben mir Kraft, immer wieder den leblosen Körper zu bearbeiten.

Meine Arme spürte ich schon lange nicht mehr. Der Atem verließ nur noch pfeifend meinen

Mund und meine Lungen schmerzten. Alles geschah mechanisch.

Das Flattern der Augenlider bemerkte ich zunächst gar nicht. Als ob der Verstand sich

weigerte, das Gesehene zu realisieren. Erst ein leichtes Husten signalisierte mir, dass die

Mühen nicht umsonst waren.

Sie lebt … Gott sei Dank … Sie lebt. Sie ist wieder zurückgekommen.

Fassungslos sah ich auf sie herunter und die Freude über den Erfolg nahm mir für

Sekunden den Atem. Es war für mich noch nicht real, dass ich einen Menschen vor dem

sicheren Tod gerettet und aus den Klauen des Meeres gerissen hatte. Die Erleichterung

übermannte mich und ich dankte dem Himmel. Das Adrenalin sorgte dafür, dass mein ganzer

Körper bebte. Erschöpft ließ ich mich auf den Rücken fallen und versuchte, wieder normal zu

atmen. Mit einem Blick zur Seite sah ich, dass sich ihr Brustkorb regelmäßig hob und senkte.

Allerdings fühlte sie sich völlig unterkühlt an.

Nachdem ich sie entkleidet hatte, warf ich ihre nassen Sachen in den Sand, bis sie nur

noch im Slip vor mir lag. Mein nasses Oberhemd und die Jeans folgten ihren Kleidern und

ich schmiegte mich eng an sie. Meine Arme umschlangen ihren Körper, sodass sich meine

Wärme allmählich auf sie übertrug. Ihr leiser Atem mischte sich mit dem Zischen der

zornigen Brandung. Mein Zittern ließ nach und ich schloss die Augen. Es war seltsam, dass

ich ihre Körpernähe ohne Bedenken suchte, obwohl ich bei der Beatmung noch diese völlig

überflüssigen Skrupel gehabt hatte.

»Das hättest du nicht tun dürfen … Ich wollte sterben … Du hast alles kaputt gemacht.«

Diese Worte ließen mich erstarren.

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Seitenaufrufe: 50 mal Aufgerufen Am 8. Dezember 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Freundschaft, Misshandlung, Suizid, Trennung, Wahre Liebe
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