Das Gerstenberg – Haus

Das Gerstenberg – Haus
Preis: 14,90 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: http://charlotte-schroeter.de
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783943380194
Eine unehrenhafte Verbindung bringt die wohlhabende Familie Gerstenberg zu Fall: Tochter Bettlin flieht mit dem jüdischen Bankier Salomon Levy aus der kleinen Stadt Geseke. Der Ausbruch der Pest macht die Menschen empfänglich für Vorurteile und Aberglaube und schon bald muss Johann Gerstenberg kämpfen- um seine Familie, sein Ansehen, seinen Besitz.
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Leseprobe

Was ist ein Haus? Für die meisten Menschen ist es Heimstätte, Rückzugsort und Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Für Johann Caspar Gerstenberg war es weitaus mehr. Als 1625 sein neues Haus am alten  Hellweg der westfälischen Stadt Geseke kurz vor der Vollendung stand,  wähnte er sich an der Schwelle zu einer neuen Ära. Dieses dreistöckige imposante Fachwerkgebäude bedeutete für ihn die Welt. Es überragte alle anderen Häuser der Stadt um Längen,  das hohe Deelentor, das als Haupteingang diente, zierten aufwendig gestaltete und mit Blattgold beschlagene Buchstaben: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Was Du tust, tue klug und bedenke das Ende. Johann Gerstenberg war sich sicher, klug gehandelt zu haben. Dieses Haus symbolisierte seinen Aufstieg in die Geseker Gesellschaft. Er legte den Arm um seine Frau Margareth und wandte sich an all die Freunde und Verwandte, die gekommen waren, mit den Gerstenbergs die Fertigstellung dieses Prachtbaus zu feiern.

,,Meine lieben Freunde, ich darf mich glücklich schätzen, der Erbauer und Besitzer dieses großartigen Hauses zu sein, doch ist mir bewusst, dass meine Zeit auf Erden begrenzt ist und ich hoffe, nach meinem Tode, meinen Kindern diese Heimstätte hinterlassen zu können, auf das auch in hundert Jahren noch Nachkommen der Familie Gerstenberg in diesen Mauern leben, erfüllt von dem Bestreben, durch harte Arbeit ihren Platz zu behaupten und so den Allmächtigen zu erfreuen, denn wir wollen nicht vergessen:

Dies Haus ist mein und doch nicht mein.

Der nach mir kommt, kann’s auch nur leihn.

Und wird’s dem Dritten übergeben,

er kann’s nur haben für sein Leben.

Den Vierten trägt man auch hinaus.

Sag: Wem gehört denn nun dies Haus?“

Geseke 1633.

Seit 15 Jahren wütete der Krieg um die Hegemonie innerhalb Europas und der Religionsstreit zwischen Katholiken und Protestanten. In der kleinen Stadt Geseke  im Osten Westfalens waren die Auswirkungen der Kämpfe kaum spürbar.  Selbst in der näheren Umgebung war die ehemals frühmittelalterliche Siedlung nur aus einem Grund bekannt: Standhaftigeit und Siegeswille!

Obwohl Geseke keine bedeutende Handelsstadt war, hatte sie im Jahre 1622 einige Berühmtheit erlangt, als es den Gesekern gelang, sich gegen Herzog Christian von Braunschweig durchzusetzen, der bereits alle umliegenden Städte und Gemeinden erobert hatte. Geseke blieb somit die einzige freie Stadt Westfalens, eine Tatsache, auf die die Geseker Bürger noch immer stolz waren und aus der sich ein Gefühl der Unbesiegbarkeit heraus entwickelt hatte. Zu den eifrigsten Verteidigern der Stadt gehörte auch der Getreidehändler Johann Caspar Gerstenberg. Mit Anfang Dreißig hatte er sich voller Elan und Tatkraft in den Kampf gegen die herzoglichen Truppen gestürzt, zehn Jahre später zogen seine vier Söhne gegen die Glaubensfeinde ins Feld. Für zahlreiche Geseker war es eine Selbstverständlichkeit, ihre Kampfbereitschaft und ihren Siegeswillen erneut unter Beweis zu stellen und so schlossen sich viele junge Männer den kaiserlichen Truppen an, um der Stadt erneut zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Nach 15 Jahren hatte der Kriegsalltag endgültige Einzug gehalten und die Uniform der kaiserlichen Armeen fügte sich nahtlos in das Stadtbild ein.

An diesem Morgen  überwachte Johann Caspar Gerstenberg das Verladen der Weizensäcke auf die Karren vor seinem Kontor am Hellweg. Die großen Hände fuhren erschöpft durch das spärliche dunkelblonde Haar und obwohl er nur hier und da zupackte, um einem Knecht beim Aufladen der schweren Last behilflich zu sein, standen ihm Schweißperlen auf der Stirn. Wie schon so oft wünschte er sich seine Söhne zurück ins Geschäft. Bartholomäus und Marten hatten bereits ihr Leben im Kampf gegen die Schweden gelassen. Sobald der älteste Bruder und Erbe, Caspar, alt genug war, hatte er sich den katholischen Streitkräften angeschlossen und seine Brüder waren seinem Beispiel gefolgt.

Zu Gerstenbergs großer Erleichterung war Caspar vor wenigen Wochen nach Geseke zurück gekehrt, verwundet und erschöpft, aber lebend. Johann Gerstenberg wandte sich seufzend von der Karre ab und sah hinauf zu dem Fenster der Kammer, in der Caspar sich noch immer von den Folgen seiner Verletzung erholte.

Die gesamte Familie Gerstenberg, derzeit bestehend aus Johann und seiner Frau Margareth, ihrem Sohn Caspar und den Töchtern Bettlin und Martha,  bewohnte die stattlichen Wohnräume oberhalb des Geschäfts- und Handelsbereiches in dem Giebelhaus am Alten Hellweg.

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Seitenaufrufe: 56 mal Aufgerufen Am 12. Januar 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Geseke, Hexenverfolgung, Historisch, Juden, Pest
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