Das Geheimnis des Briefes

Das Geheimnis des Briefes
Preis: 4,99 €
Autor:
Genre: Belletristik
Webseite: www.annettehennig.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Band III der Trilogie "Und immer war es Liebe" - Das Finale der großen Familiensaga um Liebe, Leid und Leidenschaft - Argentinien 1945: Arthur Weimann flieht in ein neues Leben, ein fremdes Land, fern seiner Heimat. Er bekommt eine zweite Chance, heiratet eine Tochter aus reichem Hause und wird dennoch nicht restlos glücklich. Die Vergangenheit überschattet die Ehe mit seiner blutjungen Frau und er schreibt sich in einem Brief an seine große Liebe alles von der Seele. Erst 70 Jahre später treffen seine Zeilen ein, die Empfängerin ist, genau wie er, längst verstorben. Nun ist es an seinen Nachfahren, das Geheimnis aufzudecken, das er ihnen hinterlassen hat. Werden seine Kinder und Kindeskinder ihn verstehen oder werden sie ihn verurteilen ? Können sie ihm vergeben? Eine fesselnde dramatische Liebesgeschichte - geheimnisvoll und spannend erzählt!
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Leseprobe

Prolog

Mendoza, Argentinien 1948

Die laue Morgenluft versprach einen warmen sonnigen Tag. Über den Weinbergen der Familie Garcia erhob sich die Sonne orangerot aus dem Dunst der letzten Nebelschwaden.

 Isabel hatte es schon seit vier Uhr nicht mehr in ihrem Bett ausgehalten. Eine schlaflose Nacht lag hinter ihr und sie hatte beschlossen aufzustehen, eine heiße Schokolade zu trinken, in der Hoffnung, danach ein wenig Schlaf zu finden.

 Die Schokolade war längst getrunken und die Zeiger der großen Standuhr rückten bereits auf sechs Uhr vor.

 Seufzend erhob sich Isabel aus dem gemütlichen Ohrensessel, der am Abend Vaters Stammplatz war. Dort schmauchte er nach einem langen Arbeitstag sein Pfeifchen, las die neuesten Nachrichten in der Zeitung und niemand durfte ihn in dieser, seiner Stunde, stören.

 Isabel trat auf die vordere Veranda hinaus, die Fliegengittertür fiel mit einem Klack hinter ihr zu und durchbrach für einen Augenblick die noch friedliche Stille des frühen Morgens. Sie lauschte. In der Ferne kreischte jetzt der erste Kiebitz. Bald würden die anderen Vögel einstimmen und vorbei wäre es mit der Stille. Die noch reine unverbrauchte Luft beflügelte ihre Sinne und die Aussicht darauf, doch noch Schlaf zu finden, erstarb.

 Isabel kannte diesen Zustand seit einigen Jahren. Immer wenn die Ernte der Trauben bevorstand ergriff sie diese Unruhe. Die Zeit der Ernte war die herrlichste Zeit auf dem Weingut ihres Vaters.

 In ein paar Stunden würden die Peons, die ungelernten Lohnarbeiter kommen und ein geschäftiges Treiben würde sich wieder auf dem Gut ausbreiten.

 Isabel war gespannt, wer von den Männern aus den vergangenen Jahren wiederkäme. Sie freute sich auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten und ihre Neugier auf die Neuen unter ihnen erweckte, genau wie die Jahre zuvor, diese Unruhe in ihr.

 Sie hatte bisher ihr ganzes Leben auf dem Gut ihrer Eltern verbracht. Selten war sie von hier weggekommen und brannte mit ihren siebzehn Jahren auf Abenteuer.

 Mit ihrer Mutter fuhr sie einmal im Monat in die Stadt, um Besorgungen zu erledigen. Waren die Einkäufe der alltäglichen Dinge getan, aßen sie zu Mittag und hielten ein wenig in der Hitze des Tages inne. Dann schlenderten sie Hand in Hand, wie Freundinnen, durch die Straßen. Gemeinsam erforschten sie die Auslagen der Mode- und Schmuckgeschäfte, von denen Isabel stets aufs Neue fasziniert war. Immer gab es für sie ein hübsches Kleid, ein schönes Schmuckstück, eine neue Tasche und ganz selten auch mal ein exklusives Parfum. Am Abend waren sie wieder zu Hause und alles verlief weiter in seinem gewohnten Trott.

 Wie gerne wäre Isabel einmal mit einer Freundin in die Stadt gefahren, dort essen gegangen oder hätte in einer Bodega den Abend bei Tanz und Wein verbracht. Bisher hatten die Eltern das nicht erlaubt und bevor sie nicht in vier Jahren volljährig wäre, machte Isabel sich wenig Hoffnung.

 Ein tiefer Seufzer entrang sich bei diesen Gedanken ihrer Brust. In der Ferne sah sie die Gipfel der schneebedeckten Anden und war sich durchaus bewusst, welch ein Glück sie hatte, hier geboren zu sein.

 „Guten Morgen, Schwesterherz“, ertönte die tiefe Stimme ihres Bruders hinter ihr.

 „Mein Gott, wie kannst du mich so erschrecken!“, schrie Isabel auf.

 „Was tust du so früh hier draußen und in diesem Aufzug?“, fragte Antonio, hob die Brauen und schmunzelte.

 Isabel schaute an sich herab. Im durchsichtigen Seidennachthemd, das ihr nicht bis an die Knie reichte und in dicken Wollstrümpfen saß sie im Schneidersitz in der Schaukel. Sie hatte keinen Gedanken darauf verschwendet, dass die Arbeiter sie so sehen könnten.

 „Ich sitze schon seit einer Ewigkeit hier“, seufzte Isabel. „Ich konnte nicht schlafen“, sagte sie schuldbewusst, erhob sich und wollte im Haus verschwinden.

 „Bleib da!“ Hinter seinem Rücken brachte Antonio Isabels Morgenrock hervor, den er im Haus auf dem Sessel seines Vaters gefunden hatte und reichte ihn ihr. Schnell zog sie ihn über. Nachdem sie das Band des Mantels fest um ihre Taille geschlungen hatte, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste Antonio auf beide Wangen. Antonio grinste.

 „Es ist wohl wieder soweit kleine Schwester? Die Arbeiter kommen und dich befällt die große Unruhe. Du liebst diese Zeit, nicht wahr?“, fragte er mit undurchdringlicher Miene.

 „Oh ja, Antonio. Die Lese der Trauben ist die beste Zeit des ganzen Jahres!“, rief Isabel euphorisch aus. „Endlich kommt wieder Leben auf das Gut.“

 „Arbeit, meinst du wohl. Soviel Arbeit.“ Er schaute unglücklich und gedankenverloren in die Weite.

 „Ach, Antonio, komm schon! Verdirb mir nicht den Tag.“ Isabel kuschelte sich an ihn und streichelte ihm sanft über die Wange. Er wehrte ihre Hand ab. „Geh, zieh dir was an. Es geht auf halb acht, die ersten Männer werden in einer halben Stunde da sein. Sollen sie dich so sehen?“, fragte er und sie hörte den Unmut aus seiner Stimme.

 Isabel wusste, dass seine schlechte Laune nicht ihr galt. Antonio, acht Jahre …

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Seitenaufrufe: 47 mal Aufgerufen Am 30. Juni 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Familiengeheimnis, Familiensaga, Leid, Leidenschaft, Liebe
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