Das Faustus-Institut

Das Faustus-Institut
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Fantasy
Webseite: http://timspohn.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
Noah ist verflucht. Alle, denen er sich nahe fühlt, finden den Tod. Um andere nicht in Gefahr zu bringen, meidet er schließlich jeden menschlichen Kontakt und fristet ein isoliertes Dasein in Berlin. Doch das hat ein Ende, als sein Fluch das Interesse von Kreaturen und Göttern aus den alten Mythen weckt. Gejagt von Dämonen und ihren Schergen, findet Noah Zuflucht im geheimnisvollen Faustus-Institut. Sein Vorsatz, sich von anderen fernzuhalten, gerät ins Wanken, als er sich mit den Agenten des Instituts anfreundet – besonders mit Lucas.
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Ich blickte der sechsstündigen Schicht im Callcenter nicht gerade mit Begeisterung entgegen.

Seit etwa einem Jahr saß ich abends vor einem Computer, leistete technischen Support für einen Internetanbieter. Was in der Regel darauf hinauslief, sechsmal zu fragen, ob das Gerät schon vom Strom genommen worden sei, bevor das siebte Mal auf wundersame Weise das Problem löste. Das Beste an der Stelle war, dass ich abends und nachts arbeiten konnte. Während ich dort war, waren auch selten mehr als eine Handvoll anderer Mitarbeiter anwe-send. Das minimierte das Risiko, sich mit jemandem anzufreunden.

Ich verließ die S-Bahn in Pankow, trottete in ein altes Industriegebiet. Das Callcenter befand sich in einer ehemaligen Textilfabrik aus dem neunzehnten Jahrhundert, die vor ein paar Jahren saniert worden war. Der rote Ziegelbau wirkte jetzt wie ein Fremd-körper zwischen den rostigen Schienen, den unkraut-überwucherten Asphaltflächen. Der Wind heulte durch die umliegenden Ruinen, brachte ihre zer-brochene Scheiben zum Klirren. Unbehaglich beeilte ich mich, den Code für die Tür einzugeben, ließ die überraschend kühle Abendluft draußen. Nach dem fast schon sommerlich warmen Tag, waren die Tem-peraturen rapide gesunken. Die Kälte rief die Worte von Lucas‘ Freundin zurück in mein Gedächtnis, aber ich verdrängte die Erinnerung an den Nach-mittag rasch wieder.

Ich durchquerte das spartanische Foyer, betrat die einstige Werkhalle. Sie war bei der Sanierung kom-plett ausgeweidet worden, bildete nun eine gewaltige Kathedrale aus Dunkelheit, durchsetzt mit einzelnen Inseln aus Licht, in denen sich lange Reihen von

Schreibtischen zusammenkauerten. Einige Meter über mir verbarg ein düsteres Wirrwarr aus massiven Stahlbalken die enormen Dachfenster, die tagsüber die Halle mit Tageslicht fluteten. Wenn ich abends eintraf, war es oft einfach zu vergessen, dass der Saal theoretisch dreihundert Mitarbeiter fasste. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Lichter aus. Die ver-bliebenen Lichtkleckse für die Spätschicht wirkten, als schwebten sie im leeren Raum.

Während ich geistesabwesend meinen Kollegen an den umliegenden Tischen zunickte, loggte ich mich ins System ein, kramte nach meinem Headset. Eine Stimme hinter mir ließ mich erstarren: »Hey, Noah! So sieht man sich wieder!«

Ich drehte mich langsam um, wobei ich innerlich fluchte, als meine verräterischen Ohren erneut rot anliefen. Vor mir stand Lucas, ein Headset um den Hals gehängt, die Arme verschränkt, und grinste mich an. Sein weißes Unterhemd hob sich leuchtend vom Zwielicht ab. Wir hatten zwar keinen Dresscode, aber Feinripp und Shorts waren trotzdem an der Grenze. Nicht dass ich mich beklagen wollte: Der Anblick seiner muskulösen Brust war das Highlight meines Abends.

»Lucas? Hey, äh, hallo!«, stammelte ich, nur um mich sofort innerlich dafür zu verfluchen. Auf einer Skala von Eins bis cool schwebte ich irgendwo bei Minus Acht. Meine verlegene Miene wurde aber schnell durch ein Stirnrunzeln ersetzt. Okay, zwei Begegnungen waren ja vielleicht noch Zufall. Gleich dreimal in zwei Tagen über ihn zu stolpern, in einer Stadt so groß wie Berlin? Bevor ich mir eine diploma-tische Formulierung überlegen konnte, platzte ich bereits heraus: »Bist du ein Stalker oder so was?«

Bewertung: 0.0 von 5 (0 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 89 mal Aufgerufen Am 8. Februar 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: gay, Gay Romance, schwul, Schwule Belletristik, Urban Fantasy
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.