Das Dienstverhältnis

Das Dienstverhältnis
Preis: 2,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.kim-rylee.de
Erscheinungsjahr: 2017
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783743841314
Mia arbeitet in einem Theater in Hamburg. Eines Abends entdeckt sie eine Rose, die hinter dem Scheibenwischer ihres Wagens klemmt. Anfangs ist sie von dieser Geste des heimlichen Verehrers angetan. Doch bei der Rose bleibt es nicht ...
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Leseprobe

Wahrnehmungen

Ich saß am Tisch in unserer Kantine und war gerade im Begriff, das kulinarische Highlight der hiesigen Kochkunst zu genießen.
Spaghetti Bolognese.
Um die Spaghetti auf die Gabel zu bekommen, musste ich keine großen Verrenkungen mit dem Aluminiumbesteck unternehmen. Ihr Härtegrad erlaubte es, ein Stück abzuschneiden oder sie einfach nur aufzuspießen und mit etwas Fleischsoße in den Mund zu führen. Wären die Spaghetti nicht so zerkocht gewesen, hätte man das Gericht problemlos als essbar bezeichnen können.
Ich schaute aus dem Fenster, als etwas Kaltes dabei war, meinen Nacken hinaufzukriechen. Oder bildete ich es mir nur ein?
Abrupt drehte ich mich um und registrierte das emsige Treiben an der Ausgabestation, begleitet von einer Art ohrenbetäubendem Gemurmel der Mitarbeiter, dem Geklapper der Bestecke und dem Gurgeln der Softdrink-Station. Die nackten hellgrauen Wände stimmten ein trauriges Lied dazu an. Ein verstohlenes Lächeln kam über meine Lippen. Niemand nahm Notiz von mir, während ich allein an dem kleinen eckigen Tisch saß und erneut die Aussicht auf den Parkplatz genoss, der sich langsam mit den Wagen der Mitarbeiter füllte.
Nicht alle Tische waren besetzt. Vermutlich konnte oder wollte nicht jeder den Kampf mit den Nudeln aufnehmen. Es waren hauptsächlich die Jungs aus der Tonabteilung und der Bühnentechnik, die sich gerade die Zeit vertrieben bis zum Dienstbeginn.
Ich stocherte weiter in meinem Essen herum und suchte nach etwas. Was genau, konnte ich nicht sagen. Vermutlich suchte ich darin etwas, das sich als jenes Gericht entpuppte, das es darstellen sollte.
Da! Da war es wieder. Dieses Gefühl. Ich spürte, wie sich die Blicke der Mitarbeiter in meinen Rücken bohrten und hielt kurz inne.
»Schmeckt’s?«
Ich schreckte zusammen und drehte mich blitzschnell um. Keine Sekunde später heiterte sich meine Miene auf.
»Hallo, Flo!«
Florian, von mir Flo genannt, nahm mir gegenüber Platz. Der Kollege aus der Technikabteilung war sehr schlank, ohne schlaksig zu wirken, gut eineinhalb Köpfe größer als ich. Sein hellblondes Haar hatte er unter einer schwarzen Baseballkappe versteckt. Durch seine Harry-Potter-Brille lächelten mich hellbraune Augen an. Auch er hatte sich einen Teller Spaghetti Bolognese gegönnt und stocherte mit der Gabel im Nudelpamp.
»Ist es essbar?« Seine Frage kam zögernd, sein Bissen indes klatschte von der Gabel zurück auf den Teller.
Ich schüttelte den Kopf. »Nicht die Bohne! Das Essen besteht aus nur einer Nudel.«
Wir prusteten beide laut los.
»Dann ist ja alles wie immer.« Er gab den Versuch nicht auf, Herr der einen zerkochten Nudel zu werden. Zu meinem Amüsement gelang es ihm ebenso wenig wie mir.
»Wann kümmert sich die Theaterleitung darum, dass wir mal vernünftiges Essen bekommen?« Er startete einen weiteren Versuch. Sein hypnotischer Blick schien dem Bissen auf der Gabel mitzuteilen, auf direktem Weg in den Magen zu wandern.
»Ich habe schon mit dem Verantwortlichen gesprochen. Angeblich ist es nicht so einfach, einen neuen Kantinenbetreiber zu finden«, seufzte ich.
»Diese Bürohengste wissen nicht, was es bedeutet, in dieser Kantine essen zu müssen. Wir können nicht mal eben auf die andere Seite schippern und uns was Anständiges zwischen die Kiemen schieben. Dafür ist die Zeit zwischen den beiden Vorstellungen zu kurz.«
Ich nickte. Flo hatte recht. Die Kollegen in ihrem piekfeinen Büro hatten weitaus bessere Möglichkeiten, ihre Mittagspause zu verbringen.
»Ich komme mir vor, als wäre ich auf Alcatraz eingesperrt«, brummte Florian.
»Das nächste Mal bringe ich dir ein Carepaket mit.«
Mein Witz zündete bei ihm nicht.  »Mach aber schnell, bevor hier noch eine Meuterei ausbricht.«
Vorsichtig beugte ich mich zu Flo hinüber. »Kommt es mir nur so vor oder starren mich die Kollegen tatsächlich an?« Ich flüsterte die Frage, damit die anderen sie nicht mitbekamen. Außerdem hatte ich die ewige Diskussion um das Kantinenessen gehörig satt. Im Wortsinn.
Florian legte die Gabel zur Seite, straffte den Schultergürtel und ließ seinen Blick in die Runde gleiten, als witterte er eine Verschwörung. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
»Ich denke, du hast recht. Mich sehen die Kollegen auch andauernd an.«
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte mich in dem billigen Plastikstuhl zurück, bis die Lehne ein knarzendes Geräusch von sich gab.
»Also weißt du auch nicht, worum es geht?« Meine Neugierde steigerte sich gehörig, doch Flo schüttelte nur den Kopf.
»Nö!« Ich war unzufrieden mit der Antwort und wollte dem Rätsel um dieses Gefühl nachgehen. Bald. Wenn meine Zeit es zulassen würde. Und dennoch, das merkwürdige Gefühl im Magen blieb, und ich wusste nicht, warum. Wurde ich paranoid?
»Iss erst mal in Ruhe auf.« Flo erhob sich vom Stuhl. »Ich kann mich ja mal umhören.« Er zwinkerte mir zu.
Ich blickte zu ihm hoch. »Zwei Hirne, ein Gedanke. Das hatte ich auch gerade im Sinn.«

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Seitenaufrufe: 34 mal Aufgerufen Am 21. Januar 2018 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: gay, Hamburg, Lokal-Krimi, Mord, Psychothriller, Reeperbahn, Regionalthriller, Stalker, Theater, Verehrer
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