Damals in Südamerika. Erinnerungen.

Damals in Südamerika. Erinnerungen.
Preis: 0,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Humor
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als E-Book
Erinnerungen an eine Zeit in Rio mit der Familie und Reisen in Brasilien, Argentinien und Chile in der Zeit von 1975 bis 2008. Wie war es in Brasilien vor 35 Jahren, wie ist es heute? Hat sich etwas geändert? Wie war das Leben 1975 in dem Land, wie haben wir es empfunden? Beschreibung kleiner und großer Abenteuer des täglichen Lebens. Das alles hat viele heitere und ernste Situationen mit sich gebracht.. Das Buch soll Reiselust wecken und Interesse an einem faszinierenden Kontinent.
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Leseprobe

Chuquicamata

Wir hatten die Kupfermine Chuqicamata in der chilenischen Atacama-Wüste besichtigt. Die Fahrt durch die Geisterstadt hatte etwas Beklemmendes. Die komplette Infrastruktur ist noch erhalten mit Schule, Kindergarten, Theater und Postamt. Auf allem liegen der graue Staub der Mine und der Sand der Wüste.

„Was machst Du,“ fragte mein Mann, „wenn Du hier geboren wirst? Du hast doch keine Chance da heraus zu kommen.“

Eine Antwort erhielten wir einige Tage später in unserem Hotel in Antofagasta. Beim Frühstück setzte sich eine Frau zu uns an den Tisch, die wir für eine Chilenin hielten. Zu unserem Erstaunen sprach sie – bis auf ein rollendes R – akzentfrei deutsch. Wir unterhielten uns über unsere Reise und kamen auch auf Chuquicamata zu sprechen. Gerade setzte ich zu einem gewaltigen Sprung ins Fettnäpfchen an, als sie sagte:

„Ich bin in Chuquicamata geboren.“

Ich klappte meinen Mund wieder zu und starrte die Frau fassungslos an. Sie begann zu schwärmen.

„Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Die Minengesellschaft hat für alles gesorgt, Wohnung, Kindergarten, Schule, Kino. Es gab viele Veranstaltungen und Feste. Es war eine schöne Zeit.“

„Wieso sprechen Sie eigentlich so gut deutsch?“

„Ich bin Deutsche. Ich habe einen deutschen Pass. Ich wohne in Deutschland.“

Nun fiel mir der Kinnladen wieder herunter, und die Frau erzählte uns ihre Geschichte.

Der Vater war Briefträger in dem Städtchen an der Mine und begeisterte sich für die Briefmarken aus fremden Ländern, besonders für die aus Deutschland. Es gab einen deutschen Ingenieur, der für die Minengesellschaft arbeitete, und jedes Mal, wenn der einen Brief aus seiner Heimat bekam, fragte ihn der Briefträger, ob er die Marken haben könne. Er wollte alles über Deutschland wissen, und der Ingenieur beantwortete bereitwillig seine Fragen.

Ihr Vater, sagte die Frau, habe immer wieder den Wunsch geäußert, Deutschland kennen zu lernen. Zwischen den zwei Männern entwickelte sich eine Art Freundschaft. Der Ingenieur sorgte dafür, dass der Vater ein Handwerk erlernte; so konnte er die Mine verlassen, um sich in Antofagasta selbständig zu machen. Die Tätigkeit führte zu einem gewissen Wohlstand, und er kaufte ein Haus für sich und die Familie. Den Traum von einer Deutschlandreise hat er sich nicht erfüllt, aber die Tochter wurde vom Fernweh ihres Vaters angesteckt. Sie nahm sich fest vor, dieses Land zu besuchen, sobald sie die Schulausbildung abgeschlossen hätte. Mit der Hilfe des Ingenieurs verwirklichte sie ihren Wunsch, reiste nach Deutschland und nahm eine Arbeit als Haushaltshilfe bei einer Familie in Schleswig-Holstein an. Sie lernte einen deutschen Seemann kennen, den sie heiratete. Als ihr Vater starb und sie das Haus erbte, vermietete sie es, denn sie hatte die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, irgendwann einmal nach Chile zurück zu kehren. Dann war ihr Mann gestorben, und sie traf eine Entscheidung. Deutschland war ihre Heimat geworden. Sie hatte dort länger gelebt als in Chile. In Deutschland hatte sie Freunde, Verwandte und ein Haus. Sie wollte den Rest ihres Lebens in Deutschland verbringen. Also verkaufte sie ihr chilenisches Haus, und jetzt war sie zum letzten Mal in ihrer alten Heimat, um einige Dinge zu klären. Es klingt wie aus Andersens Märchenbuch:

„Das kleine Mädchen von der Kupfermine macht sich als junge Frau auf in die große weite Welt. Dort findet sie ihr Glück, Liebe,  Wohlstand und eine neue Heimat. Aber in ihrem Herzen bewahrt sie die goldene Erinnerung an eine wunderbare Kindheit am Rand der staubigen Mine.“

Manchmal bietet das Leben eben ganz großes Kino.

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Seitenaufrufe: 194 mal Aufgerufen Am 12. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Atacama, Buenos Aires, Candomblé, Chuquicamata, Copacabana, Kap Hoorn, Rio, Santiago
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