Bucklige kreuzen den Weg

Bucklige kreuzen den Weg
Preis: 3,99 €
Autoren: ,
Genres: Belletristik, Humor
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Ein Gabelstaplerfahrer wird durch ein mittelhochdeutsches Gedicht zu Tode gelesen. Von Paul, einem drittklassigen Webdesign-Assistent, der unsterblich verliebt seine blonde Nachbarin retten will. Doch die zeigt ihm die kalte Schulter und verlangt Unmögliches: Sie will den echten Gürtel der Aphrodite, der sie unwiderstehlich macht. Doch woher nehmen, wenn man keine Ahnung von Nichts hat? Licht ins Dunkel bringt Bademeister Pavel Januçek, den die Rache an seinem verstorbenen Vater antreibt. Er ist der letzte Universalgelehrte und Erfinder des Weltenkeils. Der einzig funktionierenden Zeitmaschine. Mit ihm und seinem Freund Jock begibt sich Paul auf eine wahnwitzige Achterbahnfahrt durch die Weltgeschichte, bei der Nichts ist, wie es scheint und jede Suppe so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Spätestens als er auf den Thronfolger Franz-Ferdinand und Napoleon Bonaparte trifft, wird Paul klar: Die Geschichtsbücher lügen, es war alles ganz anders. Findet Paul den Gürtel und kann damit seine Angebetete erobern oder scheitert er an den Klippen der Geschichte? Welches Spiel treibt der undurchsichtige Bademeister? Was hat es mit dem Verein für Alle auf sich und welche Rolle spielt ein zwielichtiger Papst? Der Roman nimmt alles auf den Arm, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Reisen Sie mit zu bedeutenden Schauplätzen der Geschichte. Sehen Sie die Vergangenheit in neuem Licht. Und vergessen Sie nicht Ihren Humor. Sie werden ihn brauchen.
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Weihwasser und Engelslocken

Paul klammerte sich an den Rand des Miniaturwaschbeckens Bettnässa von Ickea und betrachtete das beeindruckende Ergebnis seiner nächtlichen Anstrengung. Er hatte einen Geschmack auf der Zunge, als ob er eine Riesenportion vergammelten Hirsebrei verschlungen hätte. Seine Ohren glühten in überirdischem Rot.

Mit Jock, seinem besten und einzigen Freund, zog er gerne um die Häuser, lud manches Bierchen mit Beigetränk und von Zeit zu Zeit den einen oder anderen Absacker. Paul war der Ansicht, dass jeder vernünftige Mensch dies wegen des eingebetteten Erhaltungstriebs tun muss: Es galt, beständig der Austrocknung vorzubeugen.

Beide fühlten sich als Könner dieses Faches und waren überzeugt, dass Wasser in reiner Form nicht als Basisgetränk geeignet ist. Zum einen, weil es geschmacklos war, zum anderen, weil ein Glas Tafelwasser schneller den Ruf ruinieren kann als Wettpissen in einer gut besuchten Grünanlage.

Paul drehte den Hahn auf, wartete bis wohltemperiertes Nass floss, wusch sich, putze die Zähne und fühlte sich um einige Grade besser auf der nach unten offenen Wohlfühlskala. Er stierte auf sein Bett. Leer. Wie gestern, wie vorgestern, wie die vergangenen Monate. Das letzte Mal, dass eine Frau die Matratze mit ihm teilte, war Weihnachten vor zwei Jahren. Sie tat es aus Mitleid – dessen war er sich sicher – weil er im Café Liederlich über seine Arbeit und die Welt jammerte. Nachdem sich morgens die verhuschte Soziologiepraktikantin überstürzt anzog und er sie fragte, wohin sie so eilig wolle, sagte sie kurz angebunden „Nixe verstehn, iche Russki“ und machte sich aus dem Staub. Mit Zuzanna aus Warschau pflegte er im Mai vergangenen Jahres eine kurze elegische Freundschaft. Er nannte sie „meine Tram-Polin“, weil sie der Marotte frönte, Stunde um Stunde in Straßenbahnen zu verbringen. Sie liebte das quietschende Geräusch, wenn der schwere Zug um eine Kurve fuhr und beim Knirschen des Bremssandes stellte sich der Flaum in ihrem Nacken auf. Eine Woche hielt die Beziehung. Genau so lang wie die Netzkarte, die er ihr zum dreitägigen Jubiläum schenkte.

Die Verbindungen zu seinem Geburtsort kappte er vor vielen Jahren. Wobei die Zahl der Verbindungen über die Menge an Freunden und Bekannten täuschte. Mit einem wehmütigen Lächeln erinnerte er sich an Attila, den Hühnerkönig, seinen einzigen Freund damals. Den Spitznamen bekam er, weil er sich schon in der Grundschule als den größten Aufreißer innerhalb des Schulzauns bezeichnete. Den Beweis blieb er bis heute schuldig. In der Pubertät kletterten sie häufig über den Zaun der Kläranlage und hingen ihre Nasen ins Klärbecken, um endlich Anrüchiges zu erleben.

Es war ein Kreuz. Wer ist schon dritter Webdesign-Assistent? Damit konnte er bei Frauen nicht punkten. Endlich war Wochenende und der grausige Freitag Geschichte. Gestern handelte er sich die zweite Abmahnung vom Chef ein. Schon fünf Tage musste er sich mit einem Bestattungsunternehmen herumschlagen, das sich auf Autounfälle spezialisierte. Bei diesem Auftrag zeigte er die Initiative, die sein Chef von ihm forderte. Den Slogan, den er für das Unternehmen kreierte, fand er genial: „Rest in Pieces. Ist der Unfall noch so schwer, wir schaffen alle Teile her.“ Der Kunde war nicht der Ansicht und machte einen Riesenaufstand.

Grinsend dachte er an den Weihwasserhändler aus Bayern, der Leitungswasser in Urinbehälter aus Plastik abfüllte und ein Etikett draufkleisterte auf dem in goldenen Buchstaben prangte: „Vom Herrn persönlich gesegnet und getestet.“ Als Produktionsdatum war der 15. März 0 vor Christus angegeben auch ein Haltbarkeitsdatum war ausgewiesen: ewig.

„Dös is autistisch“, schwor ihm der Händler. Bestellberechtigt waren alle Personen ab 75, bezahlt wurde in bar bei Lieferung. Auf der ersten Seite des Internetauftritts platzierte er Jesus als Lichtgestalt und darunter den griffigen Satz: „Ich bring’s. Persönlich.“

Der Weihwasserhändler war begeistert und engagierte mehrere Studenten als Auslieferer, die sich einen Weihnachtsmannbart anpappten. Das Geschäft florierte, und der Bajuware war gerade im Begriff sein Unternehmen mit dem Vertrieb von original gebrauchten Papstoletten zu erweitern. Dann flog die Geschichte auf. Sein Chef tobte, der Bajuware wechselte die Agentur und er handelte sich seine erste Abmahnung ein. Ein Wunder, dass er den Job noch hatte.

Sein Leben floss träge wie ein Kanal, dessen Pegel immer gleich war. Es war eine Existenz ohne besondere Vorkommnisse. Schon oft versuchte er, diesem verdammten Mittelmaß zu entkommen. Aber immer, wenn er sicher war, dass er ihm ein Schnippchen geschlagen hatte und Gas geben wollte, klopfte es an die Tür und der Durchschnittsmensch und Angsthase machte es sich wieder bequem und flüsterte ihm ins Ohr: „Wer wagt, der spinnt.“

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Seitenaufrufe: 200 mal Aufgerufen Am 3. Januar 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: da Vinci, geschichte, Humor, Liebe, Napoleon, Nonsens, satire, Zeitreise
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