Bring mich ans Licht

Bring mich ans Licht
Preis: 3,99 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.kim-rylee.de
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739677347
In einem Keller an die Wand gekettet, dem Tode näher als dem Leben – so findet die Polizei die 25-jährige Marianna Lowe. Der Fall gibt Polizeihauptkommissar Francis Held Rätsel auf. Warum hatten die Entführer es auf eine einfache Büroangestellte abgesehen? Gegen seinen Willen stellt sein Chef ihm die Psychologin Dr. Vera Simms zur Seite – ein Gespann wie Katz und Maus, der in sich Gekehrte trifft auf die Extrovertierte. Ihre Ermittlungen führen sie auf die Spuren eines rumänischen Clans. Stückweise findet Held heraus, dass seine neue Partnerin nicht nur Informationen zurückhält, sondern auch noch einen eigenen Plan verfolgt ...
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Leseprobe

Prolog

Er kniff das Auge zu, das Salz eines Schweißtropfens brannte. Sein linker Handrücken fuhr über die Stirn, um den Schweißfilm wegzuwischen. Ein lauter Seufzer presste sich aus seiner Kehle empor, während seine Linke wieder ans Lenkrad griff. Er spürte die Feuchtigkeit in den Handflächen. Die Knöchel an den Gelenken traten weiß hervor, seine Finger begannen zu schmerzen. Ein Zeichen, dass er das Lenkrad seit Längerem verkrampft umfasste.

Mitte November. In den letzten drei Tagen war es stetig kälter geworden. Dennoch schwitzte er wie im Hochsommer. Eigentlich galt er als sehr ausgeglichener, lässiger, aber zügiger Fahrer. Heute wirkte er steif. Er hatte die Arme angewinkelt und hielt die Ellenbogen fest an den Oberkörper gepresst, seine Nase klebte fast an der Windschutzscheibe. Er sah sich hektisch um. Sein Kopf schnellte nach links, dann nach rechts. Sein Blick sauste nach oben in den Rückspiegel. Dann in den Seitenspiegel. Schließlich wieder auf die Straße. Die hektischen Bewegungen wiederholten sich alle paar Sekunden.

Auf der Landstraße herrschte nicht viel Verkehr und er kam gut voran. Hinter ihm holte ein Kleintransporter zügig zu ihm auf. Am Steuer saß eine Frau. Ihr rasanter Fahrstil ließ sie noch nicht einmal den Blinker setzen, als sie zum Überholen ansetzte. Kurz zuckte sein linkes Auge, als sich ihre Blicke trafen. Dann war der Kleintransporter auch schon vorbeigezogen. Hinter sich sah er keinen Wagen mehr. Trotzdem hatte er noch immer das Gefühl, verfolgt zu werden.

Wie gern hätte er seine Frau mitgenommen. Doch die tiefe fremde Stimme am Telefon hatte es ihm untersagt. Er sollte allein kommen. Ohne Sofia. Und das Wichtigste: keine Polizei. Sonst würden sie seine Tochter umbringen.

»Mein blonder Engel«, murmelte Benoit Legrand immer wieder vor sich hin, wenn ihm ihr verängstigter Gesichtsausdruck in Erinnerung kam. Das Lösegeld hatte er in einer Sporttasche im Kofferraum verstaut. Immer wieder huschten seine Augen zum Handy auf dem leeren Beifahrersitz. Sobald es klingelte, wollte er keine Sekunde verlieren. Egal, ob das Telefonieren mit einem Handy während der Fahrt nicht erlaubt war. Schließlich ging es hier um Marlene. Sein blonder Engel. Seine einzige Tochter. Sie war doch erst siebzehn. Und das Liebste, was er auf Erden besaß. Er wollte den Gedanken nicht zu Ende denken, was passieren würde, sollte die Polizei ihm wegen dieser Lappalie anhalten. Womöglich noch die fünfhunderttausend Euro in der Sporttasche finden. Fragen stellen.

Er schüttelte den Kopf, um die Gedanken zu verscheuchen.

»Marlene. Meine Tochter. Marlene. Ich hoffe, man hat dir nichts Schlimmes angetan.« Sein Unterkiefer verkrampfte sich; er musste schlucken. Er spürte, wie Nervosität ihn bannte und kaum noch einen klaren Gedanken zuließ.

»Was wäre wenn … Nein! Das ist nicht passiert! Das wird nicht passieren. Das darf nicht passieren!« Wie ein Mantra forderte er sich unentwegt selbst zu positiveren Gedanken auf. Wie gern hätte er seine Frau jetzt bei sich gehabt! Sie hätten sich gegenseitig getröstet. Mut zugesprochen. Halt geben können.

Sein Blick wanderte zur digitalen Uhr des BMW Z3. 15.47 Uhr. Er hatte noch dreizehn Minuten. Würde er es schaffen?

»Waldweg in achthundert Metern. Biegen Sie links ein«, plärrte die monotone Frauenstimme aus dem Navi.

Er atmete tief durch. Keine Erleichterung. Nach wie vor schien eine eiserne Faust sein Herz zu klammern. Und diese Faust drückte unerbittlich weiter zu.

Schließlich erreichte er den Waldweg und bog ein. Noch immer kam kein Gefühl der Erleichterung auf. Vermutlich schaffte er es rechtzeitig. Benoit Legrand zuckte zusammen, als das Handy den ersten Ton von sich gab. Es spielte wieder diese Melodie. Einen Song, den er nicht kannte. Er hasste Popmusik.

Es war nicht sein Handy, man hatte ihm eines zukommen lassen. Zusammen mit einer Nachricht und einem Foto. Das Foto zeigte Marlene mit verweinten Augen. Das Make-up in ihrem sonst sauber geschminkten Gesicht war verschmiert, ihre blonden Locken durcheinander und zerzaust. Man hatte das Handy für das Foto direkt über sie gehalten. Es war nur ein Teil des Bettes zu sehen, an dem man sie mit Handschellen gefesselt hatte: das letzte Lebenszeichen seiner Tochter. Das Foto zeigte keine Hinweise auf den Ort.

Während der Popsong weiterhin an seinen Nerven zerrte, sah er auch bei diesem Anruf keine Nummer auf dem Display. Hastig tastete seine Hand nach dem schicksalhaften Boten. Er schaute kurz zur Seite. Seine verschwitzte Hand fand endlich, was sie suchte. Dann schaute er wieder nach vorn, auf die Straße; dabei glitt ihm das Handy aus der Hand, zurück auf den Beifahrersitz. Sein Herzschlag setzte einen Moment aus.

»Merde!« Er trat heftig auf die Bremse. Durch den Ruck rutschte das Handy nach vorn. Er hörte das dumpfe Geräusch des Aufpralls im Fußraum, spürte seine Anspannung, fischte nach dem Gerät, der

nervtötende Popsong tönte weiter. Er stieß laut den Atem aus, nachdem er das Telefon endlich zu fassen bekam.

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Seitenaufrufe: 80 mal Aufgerufen Am 17. November 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Entführung, Europol, Folter, Intrigen, Kidnapping, Mafia, Mord, Polizei, Psychologin, Verbrechen
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