Blutsbande

Blutsbande
Preis: 3,49 €
Autor:
Genre: Krimi & Thriller
Webseite: www.blog-und-stift.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783739314792
Zwei kleine Kinder und ihre schwangere Mutter sind tot. Tatverdächtig: Der Familienvater, der mit einem blutigen Messer in der Hand aufgewacht ist, sich jedoch an nichts erinnert. Als die Hiobsbotschaft Gregory in England erreicht, glaubt er fest an die Unschuld seines deutschen Cousins. Um ihm zu helfen, tut er etwas, das er zuvor selbst nie für möglich gehalten hätte: Er bittet Andrea, noch einmal als Profilerin aktiv zu werden. Ihrem Mann zuliebe versucht Andrea, die deutsche Polizei bei den Ermittlungen zu unterstützen. Dabei stößt sie in ungeahnte Abgründe vor und gerät schließlich selbst in tödliche Gefahr ...
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Leseprobe

Es gibt Dinge, die bleiben.

Fähigkeiten wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Einmal erlernt, bleiben sie.

Aber auch Narben bleiben. Narben am Körper, auf der Haut. Und dasselbe gilt für Narben auf der Seele. Auch die bleiben.

Der Tag, an dem Andreas bisheriges Leben endete, war einer der ersten sonnigen Frühlingstage gewesen. Ein Tag, an dem sie die Kraft hatte, einem Mädchen zu helfen, dem man nicht nur die Kindheit, sondern das Recht auf ein eigenes Leben geraubt hatte. Jahrelang hatte sie die Kraft und den Mut besessen, dem Schrecken zu begegnen, den die menschliche Psyche hervorbringen konnte. So wie bei dem Mädchen, das noch als Kind von Männern als Sklavin gehalten worden war und in das tiefste, dunkelste Loch geblickt hatte, das man sich denken konnte. Nicht einmal das hatte sie abgeschreckt, obwohl sie diesem Schicksal selbst nur knapp entronnen war.

Doch seit Andrea Katies Entführern selbst begegnet war, hatte sie keine Kraft mehr, um in die Abgründe der menschlichen Seele zu blicken. Dieses eine Mal hatte sie kein Glück gehabt. Sie hatte ihren schlimmsten Alptraum durchlebt und obwohl sie aufgewacht war, war er nicht vergessen. Es hatte ihn gegeben. Er war real.

Das wußte sie auch anderthalb Jahre später noch. Denn sie spürte es an jedem Tag, an dem sie ihre Arbeit an der Universität verrichtete. Dort sprach sie über das Profiling, ohne es selbst noch durchzuführen. Es war nur noch Theorie. Passivität. Mit jedem Tag, den sie dort in ihrem Büro verbrachte, sehnte sie sich nach ihrem alten. Sehnte sich nach dem Beruf, der ihr alles bedeutet hatte. Aber sie hatte sich zu schwach gefühlt, um ihn noch auszuüben. Zu versehrt.

Sie zog die Schultern hoch und richtete ihre Gedanken wieder auf Julie, zumindest für einen Moment. Die kleine Hand fest um den Bleistift geschlossen, saß sie vornübergebeugt über ihrem Heft und grübelte über ihrer Rechenaufgabe. Sie hatte sich sehr verändert in der Zeit, in der sie zum Schulkind herangewachsen war. Inzwischen hatte sie keine kleinen krausen Locken mehr, sondern sanftere, weichere Locken – vermutlich weil ihr Haar inzwischen mehr als schulterlang war. Sie mochte es so. Für ihr Alter war sie verhältnismäßig klein und hatte den Babyspeck verloren, so daß sie inzwischen eher drahtig wirkte. Andreas aufgeweckte, hübsche Tochter. Sie war sehr stolz auf Julie.

Gregory hatte verstanden, daß Andrea keine weiteren Kinder mehr wollte. Sie fürchtete, dem nicht gerecht zu werden. Sie brauchte doch ihren Beruf, der sie daran erinnerte, daß sie manches sehr gut konnte.

Daneben hatte Julie all ihre Liebe. Wie sollte Andrea ihr noch gerecht werden, wenn sie diese Liebe mit einem weiteren Kind teilen mußte? Greg hatte ihr daran zwar klargemacht, daß sie zu sehr auf ihre Tochter fixiert war, aber das konnte und wollte Andrea nicht ändern. Noch nicht. Sie verlor Julie noch früh genug an die Welt – und würde fürchten müssen, daß sie das häßliche Gesicht dieser Welt kennenlernte, das Andrea bereits begegnet war. Vor sieben Jahren zum ersten Mal.

Aber vor sieben Jahren war ihr auch Gregory begegnet. Der Mensch, bei dem sie sich am sichersten und wohlsten fühlte. Er sah ihr alles nach, unterstützte sie, hatte meistens Verständnis und zeigte ihr immer seine Liebe. All das war ihm hoch anzurechnen, denn sie wußte, es war oft auch schwierig, mit ihr zusammen zu sein.

Besonders seit diesem einen Tag.

Andrea wußte nicht, was sie ohne Greg getan hätte. In ihr war das starke Gefühl, ohne ihn nicht leben zu können und vielleicht stimmte das sogar. Dieses Gefühl war so intensiv, daß er nicht befürchten mußte, ihre Liebe zu ihm hätte gelitten, seit sie ein Kind hatten. Ihre Liebe für Julie hatte die für Gregory nicht verdrängt. Nichts auf der Welt war Andrea so wichtig wie die beiden. Sie entschädigten sie.

Für vieles. Aber nicht für alles.

Mit einer Frage riß Julie sie aus ihren Gedanken. Während Andrea versuchte, sie ihr zu beantworten, dachte sie daran, wie stark Julies Akzent inzwischen war, wenn sie Deutsch sprach. Das war anders als bei ihrem Vater. Andrea genehmigte sich einen kurzen Blick auf die Uhr, um zu sehen, wann er nach Hause kam. Er fehlte ihr in jedem Augenblick, in dem sie getrennt waren. Seine Ruhe, die immer auf sie abfärbte; die Art und Weise, in der er sowohl Julie als auch ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Bei ihm fühlte man sich angenommen.

„Ich habe keine Lust mehr“, postulierte Julie knatschig und verzog die Lippen. „Kann ich nicht erst etwas spielen?“

„Wieviel hast du denn noch?“ fragte Andrea.

„Das da.“ Sie zeigte auf einen kleinen Aufgabenblock.

„Und für Englisch?“

„Ein Blatt.“

Noch rang Andrea mit sich. „Wenn wir uns darauf einigen können, daß alles bis zum Abendessen fertig ist, kannst du jetzt auch noch ein bißchen spielen.“

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Seitenaufrufe: 53 mal Aufgerufen Am 21. Oktober 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Eifersucht, Ermittlungen, Mord, Profiling, Psychopath, Psychothriller, Spannung
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