Bitris Zorn

Bitris Zorn
Preis: 2,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Humor
Erscheinungsjahr: 2014
Erhältlich: Als E-Book
ISBN: 9783738000948
Bitris Zorn verübt brutale Überfälle auf reiche Männer, bei denen sie in aller Öffentlichkeit agiert und danach spurlos verschwindet. Aber gibt es sie wirklich? Denn immer, wenn sie sich in Luft auflöst, taucht ihr Bruder auf. Die Öffentlichkeit rätselt: Wer ist das Phantom, dessen ruchlose Taten einer ganzen Milliardärsgeneration den Schlaf rauben? Bitris Zorn ist ihr Zwillingsbruder, ein sympathischer junger Mann, der stets sehr plötzlich zu Geld kommt und es bei wüsten Feiern und wilden Sexorgien verprasst. Warum nur kennt ihn niemand, obwohl er doch überall dabei ist und alles tut, um endlich berühmt zu werden? Gejagt werden sie von einer Polizistenlegende. Gögens, der Greifer. Reaktiviert, um das Phantom zu schnappen. Ein Mann, der zu seiner Zeit ganze Gefängnisse im Alleingang überfüllt hat. Wird ihm das gelingen, was eigentlich unmöglich ist? Einen Schatten zu fassen? Skurille Einfälle, überschäumender Witz und pralle Erotik. Diese Geschichte vereint mehrere Genres zu einem wortschöpferischen Abgesang auf die Superluxusspaßgesellschaft.
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Das Armand d’Ors Place des Belles liegt am Rande der Stadt. Der Gebäudekomplex, in dem das Amüsierzentrum untergebracht ist, ist von Meisterhand in einen Hang gefügt, der sich wegen einer unmittelbar darunter befindlichen Magmakammer jedes Jahr um einen Meter hebt. Das Haupthaus ist geformt wie eine Kugel. Rundum an den Außenmauern strahlen im Abstand von einer Handbreit nebeneinander aufgereihte Zwanzigtausend-Watt-Scheinwerfer in alle Richtungen des Universums. Ihr Bedarf an Energie wird durch eine Erdwärmekraftkoppelungsanlage modernster Bauart gedeckt, die solange effektiv arbeitet, wie die Magmakammer noch nicht in die Luft geflogen ist. Aber auch für die Zeit danach ist gesorgt. Mit den gigantischen Summen, die über die Vorbestellungen und Tischreservierungen zu diesem Event, Entladung der Magmakammer mit der Sprengkraft von 30 Milliarden Tonnen TNT, aus aller Welt eingegangen sind, kann sich Armand d’Or eine neue Magmakammer auffüllen lassen.

  Das Haupthaus des Place des Belles wurde im Zentrum einer Ansammlung kleinerer Anbauten errichtet, die wie die Planeten um die Sonne kreisen. Es sind genau zehn Anbauten, die nach den Planeten dieses Sonnensystems benannt sind. Einziges Manko ist, dass der Architekt in Ermangelung astronomischer Grundkenntnisse zehn Planeten-Bauwerke errichtet hat statt nur neun. Dafür war dann allerdings seine Rechnung astronomisch.

  Die zehn Anbauten kreisen selbstverständlich tatsächlich um die Sonne. Um das Haupthaus nämlich, das ‚La Soleil‘, heißt. Armand d’Or ist ein großer Anhänger der französischen Kultur und Ludwigs des Vierzehnten. Und er ist ein Anhänger des Sommers und der Sonne. La Soleil gleißt strahlend hell in der Flanke des Sonnenbergs, der sich majestätisch über eine Kreiswohnbausiedlung wölbt. Man kann als Gast des Place des Belles bei einem Drink und  Melonenpüree von der gläsernen Terrasse aus mit grausem Entsetzen auf diese Siedlung hinabblicken.

  Mitten durch die überdachte Outdoor-Lounge des Place des Belles führt die Flanierstraße, die man, je nach Repräsentationswert der Karosse, ein oder mehrere Male durchfahren kann, bevor man den Parkplatz ansteuert. Im Halbkreis um den Parkplatz herum, vor eisernen, stromführenden Gittern, harrt ein erwartungsvolles Publikum der eintreffenden, illustren Gäste, um immer wieder in beeindrucktes Gemurmel und verzückten Jubel auszubrechen.

  Hydra durchfährt die Flanierstraße dreimal, bis sie sicher ist, dass auch der letzte Gast ihr edles Gefährt als Panchart de Luxe erkannt und bewundert hat. Sie lässt dabei ein Gelblicht auf dem Dach flackern, um ihre Ankunft kundzutun, grüßt überaus zurückhaltend einige hochgestellte Bekannte, die es sich bereits bequem gemacht haben. Derweil lässt Bitris locker den Arm aus dem Fenster hängen, tut, als gehörte das Auto ihm, obwohl er weiß, dass alle wissen, dass das Auto ihm nicht gehört. Aber er tut zumindest so, als wüsste er, wie es ist, wenn man ein solches Auto besitzt.

  Hydra steuert den Parkplatz an, der einige Schritte von der Outdoor-Lounge entfernt ist, und lässt den Motor ersterben.

  ”Und was machen wir nachher?” fragt sie Bitris mit lüsternem Blick aus blaugestylten Augen. Es gehört selbstverständlich zum unverrückbaren Ritual des Sommers, dass man bereits kurz nach der Ankunft bei einem Event stets schon die nächste Party im Sinn haben muss. Und nebenbei ist es unabdingbar, dem jeweiligen Gegenüber die eigene Überlegenheit dadurch zu demonstrieren, dass man ihn ausschließlich als Sexualobjekt ansieht.

  Ihre Hand lastet demgemäß schwer auf seinem Schoß und hinterlässt einen Eindruck vom Gewicht ihrer Armreifen. Sie fühlt anerkennend das sich regende Ergebnis seiner letztjährigen Penisverlängerung beim anerkanntesten Penisverlängerer der Stadt, Doktor Knut Sebastian Maria Lucien Á-La-Longue. Dessen sensible und dabei atemberaubend kostspielige Kunstfertigkeit macht aus so manchem Würmchen im Nu einen kapitalen Dinosaurier. Man trägt dieses Jahr lang.

  ”Achtundzwanzig Zentimeter”, sagt Bitris lässig und schnippt durch das Wagenfenster seine Zigarettenkippe vor die Füße des livrierten Kippensammlers.

  ”Ich bin beeindruckt”, rief Hydra. Wovon sie beeindruckt ist, sagt sie nicht, sondern steigt aus.

  Die Welt ist wieder in Ordnung, denkt sich Bitris. Der Tanz beginnt von neuem. Noch schneller, noch heißer, noch irrwitziger als letztes Jahr. Noch schwüler und aufreizender soll er werden. Noch lebendiger und aufwühlender als jeder andere Tanz, den er bisher getanzt hat. Es lebe der Sommer. Es lebe Knut Sebastian Maria Lucien Á-La-Longue. Es lebe seine kleine Schwester, die unermüdliche Beschafferin von Barmitteln für seinen niemals versiegenden Geldverschwendungstrieb.  

  Angefüllt mit einem ungeheuren Amüsierdrang grinst er über das ganze Gesicht, lockert sich hoffnungsvoll das Gemächt und blickt erwartungsvoll den beiden goldbetressten Trägern entgegen, die zügig mit der Gästesänfte herbeigeeilt kommen.

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Seitenaufrufe: 58 mal Aufgerufen Am 16. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Erotik, Fantasy, Humor, satire
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