Aus dem Blick

Aus dem Blick
Preis: 7,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Romantik
Webseite: www.kari-lessir.de
Erscheinungsjahr: 2012
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783848252244
Männer sind wie Blechdosen – von außen nett anzuschauen, aber innen hohl. Das zumindest glaubt Nina, Anfang 30. Lieber stürzt sie sich deshalb in die Arbeit und feilt an ihrer Karriere. Bis sie Jan kennenlernt. Er ist attraktiv, humorvoll und ein guter Gesprächspartner. Ein Traummann eben. Wenn da nicht ein kleiner Haken wäre: Jan ist blind. Sein Handicap wirbelt Ninas Leben durcheinander. Doch das Liebesglück der beiden provoziert auch den Hass eines Rivalen um Ninas Gunst. Jan wird entführt und misshandelt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
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Leseprobe

Für heute hatte sie genug. Keine Minute länger wollte sie im Büro am Schreibtisch sitzen, den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt, dabei den Blick auf den leeren Ar-beitsplatz ihrer Kollegin gerichtet. Den ganzen Morgen hatte sie am Telefon mit Anzeigenkunden argumentiert. Ihre seit Jahren anzeigenstärkste Zeitschrift hatte schon den zweiten Monat nicht die geplanten Umsatzzahlen erreicht, doch keiner ihrer Gesprächspartner hatte sich dazu überreden lassen, eine An-zeige zu schalten. Nina Maiwald lehnte sich seufzend in ihrem Bürostuhl zurück. Sie konnte die freien Seiten doch nicht ver-schenken, nur um die Anzeigenquote zu erfüllen. Der Umsatz war die alles entscheidende Größe, auf die ihre Vorgesetzte achtete. Sie würde nicht mehr lange zusehen, wie die Zahlen zurückgingen. Ihr harter Kurs war unter den Kollegen der An-zeigenabteilung bekannt und gefürchtet. Nina war frustriert. Hastig verließ sie das Bürogebäude und blinzelte in der milden Nachmittagssonne. Die Drehtür hinter ihr rumpelte noch ein Stück weiter, bevor sie wieder zum Stillstand kam.

Nina wollte nicht mehr an ihre Arbeit denken. Sie brauchte dringend wieder einen klaren Kopf, um aus der Sackgasse her-auszufinden, in der sie sich eingezwängt fühlte. Sie musste an die frische Luft, sich bewegen und beim Joggen bis an ihre Grenzen gehen.

Kaum hatte sie ihre Wohnung betreten, schlüpfte sie aus ih-ren Pumps, zog den dunkelbraunen Hosenanzug und das Sei-dentop aus und warf ihre Dessous in den Wäschekorb. Statt-dessen holte sie aus dem Kleiderschrank Sport-BH, Funk¬-tionsshirt und Lauftights, zum Schluss noch die gepolsterten Jogging-Socken und ihre Laufschuhe. Den Pulsmesser fand sie auf die Schnelle nicht.

„Egal“, murmelte sie und verließ die Wohnung. Sie wollte ihre Kräfte spüren, kein Ausdauertraining absolvieren. Noch ein paar Dehnübungen zum Aufwärmen, dann lief sie leichten Schrittes die wenigen Meter von der Hildastraße zum Wiesba-dener Kurpark, wo sie regelmäßig ihre Runden drehte. Wie gewöhnlich folgte sie zuerst dem tief in die Erde eingeschnitte-nen Bachlauf des Rambachs in Richtung Sonnenberg. Es dauer-te nicht lange und sie verlor sich in ihrem Laufrhythmus. Es gab nur noch das monotone Heben und Senken ihrer Beine, zu dem sie gleichmäßig ein- und ausatmete. An der Dietenmühle drehte sie um, machte sich auf den Rückweg zum Kurparkwei-her und umrundete ihn. In genau zwölf Minuten würde sie zu Hause unter der Dusche stehen.

Sonnenstrahlen lugten zwischen den Bäumen hindurch. Ni-na kniff die Augen zu, um nicht geblendet zu werden.

Der Hund schien aus dem Nichts aufgetaucht zu sein. Plötz-lich lief er ihr aus dem Schatten eines Seitenweges direkt vor die Füße. Sie versuchte ihm noch auszuweichen, stolperte, ver-lor dadurch das Gleichgewicht – und riss den Hundehalter geradewegs mit zu Boden. Benommen blieb sie liegen. Dann blinzelte sie ein paar Mal: Gott sei Dank, die Stiefmütterchen vor ihren Augen nahmen wieder klare Konturen an. Genauso klar war das Fluchen, das sich jetzt hinter ihrem Rücken ver-nehmen ließ.

Nina kämpfte sich auf die Knie, wischte sich die Erde aus dem Gesicht und drehte sich um. Der Unbekannte kauerte mit-ten auf dem Weg und rieb sich den Hinterkopf.

„Verdammt, das wird eine ziemliche Beule“, schimpfte er. „Können Sie nicht aufpassen?“

Nina verzog das Gesicht.

„Sie rennen wie ein Rammbock durch die Gegend. – Sind Sie stumm, oder was ist los mit Ihnen?“

„Nein, natürlich nicht.“ Wo war nur ihre Schlagfertigkeit geblieben? Ihr Verstand arbeitete träge und zäh, so sehr sie sich auch bemühte.

„Ist das alles, was Ihnen dazu einfällt? Erst reißen Sie mich mit Schwung zu Boden, dann bekommen Sie keinen vernünfti-gen Satz über die Lippen.“ Der Mann erhob sich jetzt. Noch einmal befühlte er seinen Hinterkopf, rückte die schwarze Son-nenbrille wieder zurecht und klopfte anschließend Jacke und Hose ab.

Nina schüttelte sachte ihren Kopf. Sie hatte noch immer das Gefühl, ihre Umgebung wie durch eine in tausend kleine Stü-cke zersprungene Scheibe wahrzunehmen. Dennoch tat ihr nichts weh, und alles schien an seinem Platz zu sein. Sie rappel-te sich auf, brauchte aber einen Moment, um ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Den Unbekannten schien das nicht weiter zu interessieren.

„Falls es Ihnen entgangen sein sollte: Wir sind hier im Kur-park, nicht auf dem Sportplatz. Hier gibt es Spaziergänger, auf die Sie Rücksicht nehmen sollten.“ Geringschätzig verzog er das Gesicht. „Aber das scheint für Sie nur eine leere Worthülse zu sein.“

Nina hatte Schmutz und Steinchen von ihrer Kleidung ge-wischt und merkte jetzt, dass sie allmählich wieder zu sich selbst fand. Langsam drangen die Beschuldigungen dieses Fremden zu ihr vor. Was sollte das? Musste er hier den Hilfs-sheriff spielen? Mit einem Mal spürte sie Wut nach oben drän-gen, Wut über ihn, sein permanentes Schimpfen, zusätzlich angeheizt durch den Frust über ihre Arbeit.

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Seitenaufrufe: 106 mal Aufgerufen Am 2. März 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: blind, Blindenführhund, Depression, Entführung, Liebesglück, Mountainebike, Qindie, sehbehindert, Trauma, Unfall
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