Auf den Schwingen des Windes

Auf den Schwingen des Windes
Preis: 4,99 €
Autor:
Genres: Belletristik, Historisch
Webseite: https://www.facebook.com/harry.baumann55
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783743137554
Kurfürstentum Brandenburg, Mai 1687. Die junge Adelige Aurelie de Abremont verliert bei einem Überfall ihren Vater und damit den letzten Halt im Leben. Der Handwerksmeister Walter Binder nimmt sich ihrer an. Als im Dorf Hexerei-Vorwürfe gegen die Fremde laut werden, fliehen sie gemeinsam nach Berlin. Aurelie wird von der französischen Gemeinde in Berlin abgewiesen. Walter sieht keine andere Möglichkeit, die junge Frau weiter zu schützen und macht ihr einen Heiratsantrag. Als sich das frisch vermählte Paar zu einem Einsatz in der kurfürstlichen Kolonie Groß Friedrichsburg in Westafrika meldet, ahnen sie nicht, dass es nur der Anfang eines gefährlichen Abenteuers ist. Vor dem Hintergrund eines weniger bekannten Kapitels der deutschen Geschichte, der Beteiligung von Brandenburg-Preußen am internationalen Sklavenhandel, erzählt der Autor Harry Baumann eine Abenteuer- und Liebesgeschichte mit vielen überraschenden Wendungen und manchen, voller Erotik prickelnden Momenten.
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Aurelie hatte Angst. Sie umklammerte das Necessaire mit beiden Händen und drückte den schmalen Körper tiefer in das rote Sitzpolster der rumpelnden Kutsche.

Sie wagte nicht, ihren Vater zu fragen, warum der Fuhrknecht die vier Pferde zu solch einem mörderischen Galopp über das Kopfsteinpflaster antrieb. Vermutlich wusste der es auch nicht.

Martin de Abremont schien nervös zu sein, hatte den Degen bereits auf dem Schoß liegen, war sich aber unschlüssig, ob er die Waffe aus der ledernen Scheide ziehen sollte.

Er wollte um jeden Preis vermeiden, dass sich seine Unruhe auf die Tochter übertrug.

Man hatte ihm versichert, die Straßen im Kurfürstentum Brandenburg seien ungefährlich – und jetzt das! Vielleicht gab es ja einen banalen Grund für die halsbrecherische Geschwindigkeit, aber Marquis de Abremont glaubte nicht wirklich daran.

Es gab nur eine Chance, dies herauszufinden: Er musste die Tür einen Spalt breit öffnen und den Kutscher anrufen. De Abremont nahm den Dreispitz vom Kopf, damit diese neuartige Kopfbedeckung nicht vom Winde verweht wurde.

„Qu’est-ce qui se passe? Was ist los?“

Im gleichen Moment flog eine Kugel an ihm vorbei, verfehlte ihn und auch den Kutscher auf dem Bock nur um Haaresbreite. De Abremont zog den Kopf sofort ein, ließ aber die Tür noch offen, umklammerte den Griff des Degens fester.

„Bande de voleurs, Marquis! Nur noch zwei Meilen zum nächsten …“

Der letzte Teil der Antwort wurde vom Fahrtwind, den wiehernden Pferden, Pistolenschüssen und dem Geschrei hinter ihnen verschluckt.

Marquis de Abremont wusste nicht, ob der Überfall ihm persönlich galt oder die Kutsche nur zufälliges Ziel der berittenen und gut bewaffneten Briganten war.

„Du hast doch eine abgenähte Tasche in deinem Unterkleid, ma cherie fille?“

Aurelie wusste nicht, was die Frage sollte, aber sie nickte eifrig.

„Oui, ma pére!“

„Hier, steck die Transportrolle mit den Zeichnungen da rein! Falls mir etwas zustößt, bring die Rolle zu Pastor Beauvenont nach Berlin!“

Im gleichen Augenblick ahnte de Abremont, wie töricht dieses Ansinnen war. Sie würden seine Tochter entführen und schänden. Aber soweit wollte er nicht denken. Er würde sich so teuer wie möglich verkaufen. Wozu hatte sein Vater einst einen Fechtlehrer engagiert? Aber das war inzwischen mehr als zwanzig Jahre her …

Dem Kutscher entglitten die Zügel, er sank auf seinem Bock zusammen, fiel wie durch ein Wunder aber nicht herunter. Die Pferde waren verwirrt, da sie nicht mehr angetrieben wurden und verlangsamten das Tempo.

An der Kutsche vorbei galoppierte ein Reiter, griff in das Geschirr und brachte das Gefährt zum Stehen. Wahrscheinlich war auf der anderen Seite das gleiche geschehen, aber Aurelie war viel zu verängstigt, um aus dem Fenster zu schauen.

Martin de Abremont hatte sich entschieden. Es war zwar kaum Erfolg versprechend, aber er würde die Ehre seiner Tochter verteidigen. Vielleicht geschah ja ein Wunder und irgendjemand kam ihm zu Hilfe. Hatte der tote Kutscher nicht vor seinem Ableben etwas davon gesagt, das nächste Dorf wäre nur zwei Meilen weg?

Er zog den Degen aus der Scheide, befahl seiner verängstigten Tochter, unbedingt sitzenzubleiben und stellte sich auf einen Kampf gegen eine Übermacht ein.

Nachdem er aus der Kutsche gesprungen war, sah er sich zunächst nur zwei Gegnern gegenüber, mit denen er es vermutlich aufnehmen konnte. Halunken, die sicher keine Fechtausbildung hatten. Ihm gelang es sogar, in das Wams eines der Räuber ein Loch zu stechen, allerdings ohne ihn dabei ernsthaft zu verletzen.

Das musste er bei der nächsten Attacke unbedingt besser machen!

Völlig unbeeindruckt von der Kampfszene kletterten zwei weitere Briganten auf den hinteren Teil der Kutsche, wo das Gepäck festgeschnallt war und luden es ab.

Aurelie de Abremont hatte den Hut abgenommen, sich zwischen die Sitzbänke geworfen und war bisher unentdeckt geblieben. Wie mochte es ihrem Papa da draußen ergehen?

Sie hörte nur das Klirren des Metalls, betete um einen guten Ausgang.

Marquis de Abremont machte einen Ausfallschritt, parierte einen Angriff und ihm gelang es tatsächlich einen der verbissen attackierenden Gegner am Oberarm zu verwunden.

Die zwei anderen Räuber hatten die Truhen aufgehebelt und durchwühlten sie, fanden aber nur Frauenkleider. Dies konnte nur bedeuten, in der Kutsche hielt sich ein Weib versteckt!

Ein fünfter Mann galoppierte auf seinem Pferd herbei, schaute sich den Fechtkampf nur wenige Sekunden an. Als das Pferd ruhig stand, hob er seine Pistole, zielte und drückte ab. Er hatte keinen blassen Schimmer, wen er da gerade erschoss.

De Abremont stürzte sofort zu Boden und der Degen fiel ihm aus der Hand.

Aurelie hörte, dass der Gefechtslärm verstummt war, ihre Neugier siegte und sie lugte durch den Spalt der Kutschentür. Dann hielt sie nichts mehr. Sie stürzte nach draußen und warf sich auf ihren Vater.

„Papa! Papa!“, schrie sie.

Der Räuberhauptmann steckte die Pistole in den breiten Gürtel.

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Seitenaufrufe: 74 mal Aufgerufen Am 5. Januar 2017 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Afrika, Amerika, Berlin, Brandenburg, Liebe, Sklavenhandel, Westindien
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