Apokalypse

Apokalypse
Preis: 11,95 €
Autor:
Genres: Horror & Mystery, Science-Fiction
Erscheinungsjahr: 2013
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9783845905747
Das globale Wirtschafts- und Finanzsystem ist kollabiert. Endzeit- und Verteilungskriege toben rund um den Globus und das Wetter nimmt immer extremere Formen an. Zeitgleich bemerkt der hellsichtig begabte Einsiedler Lukas eine weltweite Zunahme an aggressiven paranormalen Aktivitäten. In einem stillgelegten Militärlager im deutsch-französischen Grenzgebiet, welches bei der nahen Bevölkerung als Geisterstadt gilt, findet er eine erste Spur. Kann die Welt vor dem Untergang gerettet werden?
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Leseprobe

Mit konfuser Deutlichkeit sah Lukas den Geist neben dem Bett des sterbenden Mannes. Das Wesen stand einfach nur reglos da und starrte auf den Beinahetoten hinab. Manchmal unterbrach der Geist seine Starre und vollführte undeutbare Bewegungen mit seinen Händen in der Luft über dem Sterbenden, denen Lukas keinen Sinn einzuleiben vermochte.

Lukas konnte sie praktisch von Kindesbeinen an sehen, sodass diese Erfahrung für ihn schon zur Alltäglichkeit geworden war, ihn aber dennoch stets aufs Neue mit Verwunderung erfüllte. Trotz des häufigen Umgangs mit ihnen konnte er sich bis heute über die meisten ihrer Handlungen keine Rechenschaft ablegen. Hier jedoch schien klar zu sein, dass der Lebensfaden vom alten Hans bald reißen würde. Das Geistwesen würde ihn hinübergeleiten – wohin auch immer.

In den achtundzwanzig Jahren, die Lukas lebte, hatte er noch nicht viele Menschen sterben sehen, doch er wusste, wenn jenes ätherische und silbern pulsierende Kraftfeld um sie herum zum Versiegen kam, dass es mit ihnen zu Ende ging. Und der alte Hans hatte bereits in dem Moment, als Lukas die Tür zu dem Zimmer betrat, keine Aura mehr gehabt – wie Lukas diese Erscheinung in Ermangelung eines besseren Begriffes zu nennen pflegte.

Neunzig Jahre hatte der Mann, den alle im Ort nur den „Alten Hans“ nannten, diesen Körper bewohnt. Bis ins hohe Alter war er rüstig gewesen, bis er sich vor drei Tagen wegen Unwohlsein ins Bett gelegt hatte und nicht mehr aufgestanden war. Hans war ein Original gewesen und starb nun in dem gleichen Haus, in dem er als Säugling in dieser Welt einst erwachte.

Lukas löste seinen Blick von dem Sterbenden und sah zu der Frau des alten Mannes hinüber, die eingesunken auf dem Stuhl neben ihm saß und die Hände wie zum Gebet ineinander verschränkt hatte. Lene hatte Lukas gerufen, als sie merkte, dass es mit ihrem Ehemann zu Ende ging, denn für den alten Hans war Lukas so etwas wie ein Sohn gewesen. Als Lukas vor drei Jahren mit Frau und Tochter hier im Ort ankam, praktisch besitzlos, nur mit einem alten Auto, einem Anhänger mit ein paar Habseligkeiten und so gut wie keinem Geld in der Tasche, da hatte der alte Hans ihnen geholfen, weil auch er schon bittere Zeiten hinter sich hatte.

Lukas machte sich um Lene wenig Sorgen, sie würde mit dem Verlust klarkommen. Sicherlich würde sie traurig sein, aber in ihrem Alter besaß der Tod nicht mehr jene einschüchternde Wirkung, die er auf jüngere Menschen ausübt.

Sie legte ihre Hand auf die Stirn ihres hinscheidenden Mannes. „Vor drei Stunden hat er das letzte Mal gesprochen, dann trat Lethargie ein“, sagte sie leise in die Stille der Kammer hinein. „Kurz davor bestand er darauf, verkehrt herum ins Bett gelegt zu werden, mit dem Gesicht nach Osten, zum Heiland, hat er gesagt. Dann sagte er, ich solle kein betrübtes Gesicht machen. Der Tod hätte für ihn keinen Schrecken mehr und würde ihn endlich erlösen von diesem irdischen Leben.“

Lukas kommentierte ihre Äußerungen mit einem Nicken.

Eine Weile saßen sie noch still am Bett, der Atem des alten Hans ging immer flacher, bis der Brustkorb sich nur noch wenig und sehr langsam hob und senkte. Lastende Stille lag in dem Zimmer, dass sie beinahe zu greifen war. Lukas schaute aus dem Fenster, vor dem sich mit einem halben Meter Schnee eine klirrend kalte Winterlandschaft lang und weit erstreckte. Die Sonne war bereits hinter den Hügeln ver-schwunden, und die Dunkelheit rückte beharrlich heran. Noch eine Weile saßen sie stumm an dem Bett, bis die alte Frau in die Stille hauchte: „Ich glaube, er ist jetzt tot.“

In diesem Moment registrierte Lukas, dass auch der Geist am Fußende des Bettes nicht mehr anwesend war. Es war ein schöner Geist gewesen, fand Lukas, auch wenn es sich um eine Art Schönheit handelte, die nicht mit irdischen Maßstäben zu messen war, da ihr eine gewisse Seltsamkeit innewohnte. Meist besaßen diese Wesen menschenähnliche Gestalt und unterschieden sich in ihrem grundlegenden Äußeren nur wenig von herkömmlichen Menschen. Dennoch gab es sie in allen möglichen Erscheinungen. Manche hatten monströse Gesichter wie die Masken bei der alemannischen Fastnacht, anderen haftete etwas Vampirähnliches an, und wiederum andere wirkten krank und ausgemergelt. Daneben gab es jene, die wunderschön waren und irgendwie erdentrückt. Manche von ihnen jedoch wirkten so normal, dass es schon wieder unnormal war. Sie redeten nicht und bewegten sich vollkommen lautlos, dabei konnten sie sich nach Belieben auflösen und wieder erscheinen, durch Wände gehen oder sogar durch einen hindurch, wie es Geistern nun mal eigen ist.

Früher, als Lukas noch jünger war, hatte er versucht mit ihnen zu re-den, doch auf irgendeine Weise schienen sie nicht ansprechbar zu sein, obwohl sie durchaus mit der manifesten Welt in Wechselwirkung stan-den und konkret auf Geschehnisse reagierten, wenngleich ihre Hand-lungen für Lukas oft keinen Sinn ergaben.

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Seitenaufrufe: 73 mal Aufgerufen Am 3. Juni 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Armageddon, arthur machen, Dämonen, Endzeit, Geister, Jenseits, Paranormal
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