Alkatar

Alkatar
Preis: 4,95 €
Autor:
Genres: Belletristik, Science-Fiction
Webseite: www.anja-fahrner.de
Erscheinungsjahr: 2016
Erhältlich: Als gedrucktes Buch & als E-Book
ISBN: 9781533142801
2030 – Die Menschen haben die Erde an den Rand einer Katastrophe gebracht, doch jenseits unseres Sonnensystems ist diese Entwicklung nicht unbemerkt geblieben. Die Laurasier, entfernte Vorfahren der Menschen, starten eine verborgene Rettungsaktion, um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern: Freiwillige sollen auf dem erdähnlichen Planeten Zadeg einen Lebensweg im Einklang mit der Natur erlernen. Doch der Verantwortliche der Mission, der laurasische Heerführer und Telepath Alkatar, wird schon bald mit den Abgründen der menschlichen Natur konfrontiert. Als ein intergalaktischer Krieg Zadeg von der Außenwelt abschneidet, setzt sich eine dramatische Entwicklung in Gang ...
Leseprobe online lesen
Leseprobe herunterladen
Jetzt das Buch bei Amazon kaufen.
Jetzt das Buch bei Amazon Kindle kaufen.

Leseprobe

Mit geschlossenen Augen stand Alkatar an der Schlucht Adastinare, die sich durch weite Teile des Planeten Sumas zog. Nur das Geräusch des Windes, der mit seinem eisigen Hauch klagend durch das gewaltige Felslabyrinth strich, drang in sein Bewusstsein. Alkatar ignorierte die Finsternis und die Kälte, die das Gestein mit glitzerndem Reif überzogen hatte, und konzentrierte sich auf das warme Gefühl in seinem Inneren, das wie ein goldener Fluss sein Herz erwärmte.

»Die Freundschaft wird uns bleiben«, flüsterte Annevay dicht neben ihm. »Auch wenn du in weiter Ferne bist.«

»Ja, sie wird uns bleiben.« Wenn es hell wird, dachte er, werde ich meine Halbschwester verlieren. Dann werde ich alles, was ich kenne, alles, was ich zu schätzen gelernt habe, verlassen müssen. Sanft griff er nach Annevays Hand, drückte sie.

»Du hast das Talent unseres Vaters geerbt, eines großen Jägers, der die Sumaren mit Leichtigkeit führt«, sagte sie mitfühlend. »Ich bin mir sicher, dass du eine angesehene Sippe finden wirst.«

»Lass uns nicht von der Zukunft reden.« Flüchtig sah Alkatar zu seinen fünf Sumaren, die nur als gedrungene Schatten in der naheliegenden Mulde zu erkennen waren. Die pelzigen Wesen mit den vier handähnlichen Füßen hatten ihm während der letzten vierzig Schlaf- und Wachzyklen treu gedient, ihn bei der Jagd unterstützt und ihm und Annevay Schutz gewährt. Bald würde er ein eigenständiger Jäger sein, der ein Heer von ihnen befehligen durfte. Sein eigenes Heer, dem er telepathisch gebot und das seine Sinne erweiterte.

Ein zaghafter Lichtschimmer überzog die schroffen Felsen mit einem glutroten Hauch, lenkte seine Aufmerksamkeit zu dem rötlichen Streifen am Horizont, dem Vorboten der hellen Phase. Jetzt sind wir erwachsen. Wir haben die Initiierung bestanden. Aus den Augenwinkeln betrachtete er seine Halbschwester, ihre anmutige schlanke Silhouette in der heraufziehenden Dämmerung. Ist es schon so lange her, dass ich mit ihr im Spiel durch das Gebirge gerannt bin? Gemeinsam haben wir die unbeschwerte Zeit der Jugend genießen dürfen, haben alles erlernt, was zum Überleben in der Wildnis notwendig ist. Eine dunkle und eine helle Phase haben wir bewiesen, dass wir selbständig sind, den Erwachsenen würdig. Vor seinem inneren Auge zogen noch einmal die letzten vierzig Wachzyklen vorbei, die sie weit abseits ihrer Sippe, den Adrastea, verbracht hatten. Zwanzigmal Erwachen in blendender Helligkeit, Schlaf in brütender Hitze; Jagen, Sammeln, Konservieren von Nahrung, unermüdlich, bis sich die Schatten dehnten und die Sonne hinter dem schroffen Gestein verschwunden war. Danach zwanzigmal Erwachen in dunkler Kälte; ein dicht gedrängter Knäuel Leiber, Sumariter und Sumaren, die sich Wärme spendeten. Stille, karge, rationierte Nahrung – Zeit für den Abschied von der Kindheit, das Ausrichten auf die Zukunft.

Der rötliche Hauch wurde golden, raste schließlich gleißend auf sie zu. Alkatar beobachtete, wie sich die tiefschwarzen Pupillen seiner Halbschwester verkleinerten, bis sie das leuchtende Grün der Iris freigaben und sich zu einem winzigen Punkt verengten. Er verspürte den Drang, den unnachgiebigen Fluss des Lebens zu stoppen, aber er floss dahin, viel zu rasch, glitt durch die Finger wie der feine Sand, den der Wind durch die Schluchten trug.

»Komm.« Annevays Antlitz verzog sich zu einem schelmischen Lächeln. »Lass uns den Faustach überlisten.«

Alkatar erinnerte sich an das riskante Spiel ihrer Kindheit, das eine süße Belohnung versprach. Wie oft haben wir die lichtscheue Kreatur mit den Giftstacheln unter dem Sand hervorgelockt, um ihr seinen Nektar zu stehlen. Doch das ist lange her. Wir sind nun erwachsen, eines solchen Spieles nicht mehr würdig. »Wir werden zurückkehren«, erwiderte er hart. »Jetzt.«

»Ach komm schon. Verdirb nicht unsere letzte gemeinsame Zeit.«

»Nein.«

»Wer weiß, wann wir uns wiedersehen werden.« Sie richtete sich stolz auf. »Außerdem bin ich ab heute deine Gebieterin, eine erwachsene Frau aus der Sippe der Adrastea. Ich befehle dir, deiner Bestimmung als Jäger zu folgen.«

Er wollte den Abschied nicht unnötig hinauszögern, nicht durch solch eine gefährliche Spielerei. Er würde die Sippe verlassen, so wie alle Männer nach bestandener Initiierung ihre Heimat verlassen mussten. So verlangte es der Brauch und es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Doch ärgerte es ihn, dass Annevay sich so kurz vor ihrer Trennung als seine Herrin gebärdete.

»Das war nicht ernst gemeint, liebster Bruder.« Sie lachte prustend und zwickte ihn freundschaftlich in die Wange. »Nun komm schon. Weißt du nicht mehr, was das für ein Spaß war?« Mit diesen Worten rannte sie einfach los.

Die zarten Gewächse des Gebirges, grau und unscheinbar in der dunklen Kälte, reckten, nun von Helligkeit überstrahlt, ihre filigranen Auswüchse wie bunte Skulpturen in das warme Licht. Das schwarze Gestein verschwand unter einem Feuerwerk der Farben.

Bewertung: 4.8 von 5 (6 Bewertung)
Sending
Seitenaufrufe: 54 mal Aufgerufen Am 27. Juni 2016 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Gentechnik, post-apokalyptisch, Science Fiction
Kommentare zum Buch Buch melden / Problem klären
Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mit Hilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des oben genannten Autors bzw. der Autoren untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Diese Bücher könnten Dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.