Abgetischt

Abgetischt
Preis: 0,99 €
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Genre: Belletristik
Erhältlich: Als E-Book
Aufgrund verschiedener Lebensumstände steht Frieda am Rande der Gesellschaft und droht immer weiter abzurutschen. Unterhalb ihrer Altbauwohnung, in einer der schlechtesten Wohnlagen Berlins, soll ein Laden eingerichtet und eine Essensausgabe für Obdachlose und Hartz IV-Empfänger eröffnet werden. Hier bietet ihr die Leiterin der Einrichtung, Frau Müller-Turgau, einen befristeten Arbeitsplatz mit einer sogenannten Eingliederungsvereinbarung an. Es ist eine schwere Arbeit in der Küche mit sehr gewöhnungsbedürftigen Mitarbeitern und Gästen. Die Chefin ist vom Ehrgeiz und vom Helfersyndrom besessen, versucht alle Mitarbeiter zusammenzuhalten, sowie eine niveauvolle Versorgung der Armen zu gewährleisten. Vor allem belastet mangelnde Disziplin der Nutzer die Einrichtung. Als eines Tages ein Reisebus mit Asylbewerbern vorfährt und Frau Müller-Turgau die Anweisung „von oben“ hat, alle mit einem warmen Mittagessen zu versorgen, ist sie geschockt von den Verhaltensweisen der Gruppe und ihre Ideologie gerät ins Wanken.
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Täglich verschwindet mehr Disziplin aus den Gästen. Es kommt zu Rangeleien auf dem Hof, Mülleimer, Aschenbecher und Papierkörbe werden ignoriert, und durch irgendetwas bewusstlos gewordenen Gäste, müssen mit dem Krankentransport abgeholt werden. Immer öfter versucht die Chefin ein Machtwort zu sprechen. Die an der Hoftür klebende Hofordnung, wird von den meisten ignoriert.

Im Verkaufsraum verkehrt das „bessere Klientel“. Das sind meist die Gäste, die noch Wohnraum haben. Hier sind  auch Berechnung und Raffinesse anzutreffen. Da werden Tüten umgepackt und für mehr Inhalt und Gewicht gesorgt, und wenn es kostenlose Ware gibt, erscheinen die bekopftuchten Frauen, alles Mitglieder von Großfamilien stündlich einzeln und holen ab, solange der Vorrat reicht. Sollte immer noch Ware vorrätig sein, kommen dann die Männer, die Familienväter mit Migrationshintergrund und erobern den Rest.

Die Leiterin weiß nicht, wie sie hier für Gerechtigkeit sorgen kann. Diese Menschen bekommen staatliche Gelder, erhalten Kinder- und Wohngeld, während viele Obdachlose entweder gar keinen Anspruch haben oder sich täglich zwölf Euro an der für sie zuständigen Kasse abholen können, während der Öffnungszeiten versteht sich. Eine dünne Wand der Küche, in der Frieda tätig ist, grenzt an das Büro von Frau Müller-Turgau. Zwangsläufig wird die Köchin oftmals Zeuge, was die Leiterin hier mit ihren Vorgesetzten zu klären versucht. So auch heute:

„Es bleibt uns doch nichts anderes übrig, als den Einkauf zu begrenzen. Sonst ist die Ware bereits Stunden vor Ladenschluss alle“, meint Frau Müller-Turgau.

„Was heißt das, es darf nicht der Eindruck entstehen, dass ausländischen Bürgern Ware vorenthalten wird? Verformen sie doch nicht die Wirklichkeit. Wir haben schon versucht, das Auffüllen der Regale zu verzögern. Da haben einige vor der Ladentür solange herum gestanden bis die Lieferfahrzeuge vorgefahren sind, haben mit den Handys ihre Familienangehörigen benachrichtigt und schon hat sich wieder eine bedrohlich laute, überwiegend schwarz gekleidete Menschenschlange gebildet, die auf den Beginn der Warenausgabe gewartet hat. Da die Tür zwischen Verkaufsraum und Essensraum schon am ersten Tag abgeschlossen werden musste, habe ich mir überlegt, im Essensraum eine Ecke einzurichten, wo Obdachlose sich noch Lebensmittel mitnehmen können. Da dieser Raum ja vom Hof aus betreten wird und nur für Obdachlose gedacht ist, müsste das problemlos möglich sein.“ Pause.

„Ja, danke, dass wir auch darüber mal sprechen konnten. Ich rufe Sie wieder an, wenn es etwas Neues gibt.“

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Seitenaufrufe: 43 mal Aufgerufen Am 29. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Asylbewerber, Berlin-Prenzlauer Berg, Hartz IV, Lebensmittelspenden, Obdachlosenversorgung, Sozialkritik, Suppenküche, Verarmung, Wiedereingliederung
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