11 laufen trotzdem auf

11 laufen trotzdem auf
Preis: 1,49 €
Autor:
Genres: Belletristik, Kinder & Jugend
Webseite: www.rene-bote.jimdo.de
Erscheinungsjahr: 2015
Erhältlich: Als E-Book
Absagen!? Klar, Trainerin krank, halbe Stammelf krank, das wird nicht leicht, aber absagen? Das Finale der Stadtmeisterschaft!? Damit kann und will sich Sophie, Kapitänin der Ballfreunde-Mädchenmannschaft, nicht abfinden, und so schlüpft sie kurzerhand selbst in die Rolle der Trainerin, trommelt die verbliebenen Mannschaftskameradinnen zusammen und bietet ihre ganze Schauspielkunst und ihren gesamten Einfallsreichtum auf, damit ihre Mannschaft trotz allem zu diesem Spiel antreten kann. Aber haben sie überhaupt eine Chance gegen die Mädchen vom FC, gegen die sie in der Liga schon zweimal verloren haben?
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Leseprobe

Wenn am Samstagmorgen um halb zehn mein Handy klingelt, dann kann das eigentlich nichts Gutes bedeuten. Fast hätte ich es überhört, nicht weil ich noch geschlafen hätte, sondern weil ich gerade in der Küche war. Ich renne zurück in mein Zimmer und greife nach dem Handy, das zum Aufladen an die Steckdose gestöpselt auf dem Schreibtisch liegt. Für einen Blick aufs Display ist keine Zeit, sonst wird der Anruf zur Mailbox umgeleitet, ehe ich drangehen kann. Etwas außer Atem melde ich mich mit einem schlichten „Ja?“

Es ist Elena, meine Fußballtrainerin, das erkenne ich schon an der Stimme, ehe sie ihren Namen nennt. Aber wie hört sie sich an! Total schlapp, das ist nicht die fitte und meistens gut gelaunte Elena, die ich kenne. „Tut mir leid, Sophie“, sagt sie, „wir müssen das Spiel absagen.“

Bitte was? Das kann sie nicht ernst meinen, oder? Das Spiel heute ist nicht irgendein Spiel, es ist das Finale der diesjährigen Stadtmeisterschaft! „Ich weiß, wie wichtig euch das Spiel ist.“ redet Elena nach ein paar Sekunden weiter, weil ich vor Schreck kein Wort herausbringe. „Aber wir kriegen keine Mannschaft zusammen. Alle, die in Alinas Klasse sind“ – Alina ist ihre jüngere Schwester und spielt bei uns rechts in der Viererkette – „sind krank zurückgekommen, Magen-Darm, und ich lieg auch flach, weil Alina natürlich nichts Eiligeres zu tun hatte, als mich anzustecken.“

Alina und vier andere aus der Mannschaft, alle sechzehn und Stammspielerinnen, waren bis gestern auf Klassenfahrt in Holland, aber was zum Teufel ist da passiert, dass die alle krank zurückgekommen sind? „Und die können wirklich nicht spielen?“ frage ich vorsichtig nach. „Schaffen sie nicht wenigstens eine Halbzeit, oder so?“ „Machst du Witze?“ meint Elena matt. „Die sind zu schlapp, um sich eine Halbzeit im Fernsehen anzugucken, und willst du Eimer an der Seitenlinie aufstellen? Die dürfen sich keine fünf Meter vom Lokus wegbewegen im Moment. Vergiss es!“

Ok, Botschaft angekommen, Alina, Sarah, Enya, Miliana und Hatice werden heute kein Finale bestreiten. Aber deshalb einfach aufgeben und dem FC freiwillig den Titel überlassen? Klar, ohne fünf Stammspielerinnen, das ist hartes Brot, zumal wir in der Liga beide Spiele gegen den FC trotz Bestbesetzung knapp verloren haben, aber es deswegen gar nicht erst versuchen? Undenkbar!

„Dann müssen wir eben in Unterzahl antreten!“ sage ich entschlossen. „Hast du schon angerufen und abgesagt?“ Nein, hat sie zum Glück nicht, sie wollte zuerst die Telefonkette in Gang setzen, ich bin – außer Alina natürlich – die erste, die erfährt, dass das Spiel für uns flach fällt. Das hat weniger damit zu tun, dass ich zu Beginn der Saison Emma, die siebzehn geworden ist und jetzt bei den Damen spielt, als Spielführerin beerbt habe, sondern damit, dass ich mit Nachnamen Abel heiße und deshalb auf der alphabetisch nach Familiennamen geordneten Telefonliste ganz oben stehe.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich es drehen soll, aber ich will dieses Finale spielen. „Vielleicht kann mein Vater mitfahren.“ behaupte ich, um Zeit zu gewinnen. „Kannst du noch zehn Minuten warten, ehe du anrufst?“

Elena verspricht mir, meinen Rückruf abzuwarten, ehe sie den Ausrichter, in diesem Jahr die SpVg Eintracht, anruft, um Bescheid zu sagen, dass wir nicht antreten können. Wahrscheinlich ist sie auch einfach zu platt, um sich auf lange Diskussionen einzulassen, und ich verabschiede mich „Bis gleich!“

Mit dem Handy noch in der Hand sinke ich aufs Bett. Das ging jetzt alles viel zu schnell, und ich brauche erst mal ein paar Sekunden, um meine Gedanken zu sortieren. Wie packe ich das Ganze am besten an? Dass mein Vater vielleicht als Mannschaftsbetreuer mitkommen könnte, war auf jeden Fall glatt gelogen, denn der hat – abgesehen von seinem schlicht nicht vorhandenen Interesse an Fußball – Mittagsschicht und muss pünktlich um zwei, wenn wir Anstoß haben, in der Firma auf der Matte stehen. Auch sonst fällt mir niemand ein, den ich fragen könnte, keiner von den anderen Jugend­trainern im Verein, niemand aus dem Anhang von irgendjemandem aus der Mannschaft. Enyas Freund hätte es vielleicht gemacht, der ist schon achtzehn, aber warum sollte der mit zu unserem Spiel fahren und den Coach machen, wenn Enya krank zwischen Bett und Pott pendelt?

Trotzdem behaupte ich, dass alles geklärt ist, als ich Elena nach ein paar Minuten zurückrufe. Erst mal nur verhindern, dass sie tatsächlich unsere Absage offiziell macht! Alles andere wird sich finden, auch ohne meinen Vater.

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Seitenaufrufe: 35 mal Aufgerufen Am 26. April 2015 auf Autoren-Bücherei.de veröffentlicht.

Tags: Fußball, Jugend, Kinder, Mädchenfußball
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